Potsdam . Mit Kranzniederlegungen, Schweigeminuten und einer Ausstellungseröffnung ist am Sonntag in Brandenburg der Opfer des Nationalsozialismus gedacht worden. Mehrere Redner mahnten eine intensivere Auseinandersetzung mit der Nazi-Diktatur und verstärkte historische Bildung der Jugend an. "Schließlich ist, wer die Geschichte kennt, wachsamer und kritischer gegenüber neuerlichen Gefahren", sagte die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.
Ein Besucher h÷rt in Ravensbr³ck in der neuen Ausstellung "J³dische Frauen-Hõftlinge im KZ Ravensbr³ck" den authentischen Bericht einer ▄berlebenden des faschistischen Konzentrationslagers Ravensbr³ck. Foto.dpa
Dort wurde eine Ausstellung über das Schicksal der mehr als 15 000 jüdischen Häftlinge im KZ Ravensbrück eröffnet. In der Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin legte unter anderem Landtagspräsident Gunter Fritsch einen Kranz nieder.
"Die Opfer des Nationalsozialismus haben einen Anspruch darauf, dass wir uns den Rechtsextremisten überall dort couragiert entgegenstellen, wo sie versuchen, die Menschen mit ihren menschenverachtenden Ideologien zu vereinnahmen", sagte Fritsch vor mehreren hundert Gästen. Die dortige Gedenkfeier zum 63. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 war den Kinderhäftlingen in Sachsenhausen gewidmet. "Das unbeschreibliche Leiden der Kinder ruft besondere Betroffenheit hervor", sagte Fritsch in Anwesenheit unter anderem vom Emil Farkas, der als Kind in Sachsenhausen gefangen gehalten wurde. Wie viele Leidensgenossen er damals hatte, ist bis heute unbekannt.
Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, erinnerte an die wohl größte Massenmordaktion an Kindern und Jugendlichen des KZ Sachsenhausen, bei der im Februar 1945 etwa 600 vorwiegend jugendliche jüdische Häftlinge getötet wurden. Jeder Gefahr der Wiederholung der Gräueltaten müsse entgegengewirkt werden, appellierten indes Fritsch und Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in einer Mitteilung der Staatskanzlei. Laut Platzeck ist die intensive Beschäftigung mit der deutschen Geschichte der Schlüssel für eine wirkungsvolle Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus. Knobloch betonte, der jungen Generation müsse "über historische Aufklärungsarbeit ein demokratisches Bürgerethos" vermittelt werden.
Auch CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek betonte anlässlich eines Gedenkens am Standort der geplanten Neuen Synagoge in Potsdam die Bedeutung der Vermittlung von Geschichtswissen im Kampf gegen Extremismus und Menschenverachtung. Weitere Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag gab es im Museum des Todesmarsches im Belower Wald, in Cottbus, Brandenburg/Havel und Potsdam.
Die in Ravensbrück eröffnete Dokumentation zu den jüdischen Häftlingen in dem KZ zeigt mehr als 220 Gegenstände, Fotos, Dokumente und Filmausschnitte zu diesem bislang kaum bekannten Thema. Außerdem werden an Hörstationen 32 Häftlingsbiografien präsentiert. Nach den Worten Knoblochs gibt die Gedenkstätte mit der Ausstellung den "vergessenen Opfern ihre Namen, ihr Gesicht, ihre Geschichte - ja ihre Würde zurück".
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