Bergfelde (MZV) Zum Schaudern kalt ist‘s zurzeit, übers Herthamoor zu gehen. Der Boden ist hartgefroren und holprig, auf den vereisten Gräben, die noch Wasser geführt haben, sogar ein bisschen glatt. Dennoch stapft es sich leichter über die zugewachsenen Flächen als im Sommer durch den Morast. Wege sind nicht zu erkennen, aber das ist zu jeder Jahreszeit so. Den Mücken, die im Sommer die wenigen Besucher plagten, ist es wenigstens auch zu kalt.
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Moor erleben: Einen Weg zum kleinen See soll es wieder geben, wenn das Projekt gut läuft. Fotos (2): Weißapfel
Eine Gruppe aus Vertretern des Hohen Neuendorfer Bauamtes, der Technischen Universität (TU) Berlin, der Forstverwaltung und der Unteren Naturschutzbehörde sowie der Anwohner, Eigentümer und der örtlichen Initiative „bis2025“ hat sich gestern zu einer ersten gemeinsamen Arbeitsbesprechung im Moor getroffen. Es gilt, die Interessen möglichst unter einen Hut zu bringen, der allen passt und das Moor gleichzeitig davor schützt, im Zuge einer künftigen Straßenplanung doch noch verloren zu gehen.
Gerd Wessolek, Professor für das Fachgebiet Standortkunde und Bodenschutz an der TU, möchte dort im nächsten Semester mit 12 bis 15 Studenten der Landschaftsplanung theoretische und praktische Forschung betreiben. Bei den Stadtverordneten stieß der Dozent Mitte Dezember sofort auf offene Ohren. 10000Euro wurden für dieses Jahr in den Haushalt aufgenommen, um das Projekt finanziell zu unterstützen; für 2013 ist noch einmal dieselbe Summe eingeplant.
Ein Problem besteht darin, dass das etwa 2,5Hektar große Gebiet viele private Eigentümer hat – und keiner möchte in seiner Privatsphäre gestört werden, weiß Bauamtsleiter Michael Oleck. Doch wenn es ein Konzept gäbe, würden sich einige Eigentümer vermutlich überzeugen lassen, dass das Moor ähnlich wie der Wald für Spaziergänger zur Verfügung stehen sollte, hat er in Gesprächen erfahren.
Die Stadt verfügt auch über einige Flächen. „Auf einem kleineren Areal könnte exemplarisch gezeigt werden, was ein Moor ausmacht“, erklärte Wessolek. Der Erlenbruch soll bleiben, die Fläche aber von jungen Birken und Ahornbäumen befreit werden, die nicht ins Moor gehören. Ein Weg zum kleinen See könnte geschaffen werden. Der Waldcharakter bleibt dabei aber erhalten. „Am besten ist es, wenn die Fläche als eine Landschaft wahrgenommen werden kann, ohne Zäune und Parzellen“, meint Wessolek. „Wenn die Spaziergänger auf Wegen bleiben können und so gelenkt werden, haben ja auch die Anwohner und Eigentümer was davon.“
Das heißt nicht, dass in diesem Winter noch Mitarbeiter vom Bauhof oder Studenten anrücken und auslichten. Vorher muss geprüft werden, ob und welche Genehmigungen von der Forstbehörde und der Unteren Naturschutzbehörde nötig sind. „Ob die vorhandenen, zum Teil aber zugewachsenen Gräben künftig wieder Wasser führen sollen oder nicht, muss dabei auch geklärt werden“, sagte Wessolek. Denn ein Wasserkonzept gehöre zu den Studien im Moor.
Im Herbst könnten erste Maßnahmen umgesetzt werden. Naturschützer Marian Przybilla regte an, auch die Berliner einzubeziehen, da das Gebiet direkt an die Berliner Forsten und den Hubertussee angrenzt.
Ein Jahr lang werden die Studenten ab Mitte April Zeit haben, sich über die Beschaffenheit des Herthamoores und mögliche Maßnahmen klar zu werden, erklärte der Wissenschaftliche Mitarbeiter Björn Kluge. Es sei jedenfalls günstiger, Studenten mit dem Konzept zu beauftragen, weil sie dort kein Eigeninteresse verfolgen, sind sich Gerd Wessolek und Michael Oleck einig. „Der Planer, den die Stadt vor einigen Jahren beauftragt hat, ist bei den Eigentümern eher auf Misstrauen gestoßen“, sagte Oleck. Beim nächsten Treffen der Gruppe im April oder Mai sollen die Studierenden schon einbezogen werden.
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