Oranienburg (MZV) - Als Storyboard-Zeichner hat sich René in Oranienburg niedergelassen. Für den RBB und einen Berlinale-Film hat der 27-Jährige gezeichnet, jetzt will er sein Wissen weitergeben: an Comicfans aus der Region.
In einer Mappe, die so groß ist, dass sie unter keine Achsel mehr zu klemmen ist, stecken Renés Schätze: angsteinflößende Dracula-Gestalten, beklemmende Horror-Gesichter, liebenswürdige Trickfilmfiguren und naturalistische Aktstudien. Viele seiner Zeichnungen sind eingerahmt, stellen eine Bildfolge dar - ganz so wie ein Comic.
"Ich arbeite vorwiegend in der Filmbranche", erzählt der 27-Jährige, der Storyboard-Zeichner von Beruf ist. Storyboards entstehen, bevor ein Film gedreht wird und zeigen den Ablauf der Szenen, Kameraeinstellungen, die Schauplätze und Charaktere im Detail. Für den Rundfunk Berlin-Brandenburg entstanden zuletzt drei Sandmannfolgen. Der Film "Shahada", eine Abschlussarbeit eines Filmstudenten, bei dem er mitgearbeitet hatte, lief 2010 im Berlinale-Wettbewerb und auch an einem ZDF-Zweiteiler war René beteiligt, und zwar als Skulpteur.
Die Maskenbildnerei ist auch das, was er als nächstes in Angriff nehmen will. "Das verlangt viel handwerkliches Geschick", sagt René. Aufgewachsen im sächsischen Coswig bei Dresden, war der gern zeichnende René als Elfjähriger vernarrt in Dinosaurier, angefeuert vom ersten "Jurrasic Park". Er besorgte sich ein Buch über dessen Entstehung und wollte fortan Regisseur werden, sagt er. Nach der Realschule schrieb er sich an einer Dresdner Schule für Medien, Kommunikation und Werbung ein, und dann geriet er auf den Weg, der ihn bis nach Berlin geführt hat: "auf den Disneypfad", wie ihn René nennt. Da ist er 19.
"Die Idee, dass man mit mehreren Bleistiftzeichnungen realistische Figuren schaffen kann", fesselte ihn. "Es ist dieser Flow, wie schnell und flüssig Charaktere auf Papier entstehen", erklärt René, was die Disney-Figuren für ihn so besonders machen. Vom Regieberuf kam er so zu dem des Zeichners. "Es ist kein Muss zu studieren, um ein guter Zeichner zu sein", sagt René, auf den Beginn seiner Laufbahn zurückblickend. Die Ausbildung, haufenweise Literatur und immer wieder das Zeichnen selbst haben ihn zum eigenen, selbstsicheren Stil geführt. "Ich würde mich nie als Künstler bezeichnen", meint er, "eher als leidenschaftlicher Zeichner, der den Bleistift einfach nicht liegen lässt."
Es ist nicht Bescheidenheit, die er damit meint: "Künstler ist der, der krasse Wege sucht, um sich, seinen Weltschmerz auszudrücken", erklärt er. "Bei mir ging es schon immer um die Idee für einen Charakter." Doch bevor so einer entstehen kann, müsse man eine gute Geschichte haben. "Je besser die Geschichte, umso besser ist sie zu bebildern", ist er überzeugt. René ging nach Berlin, als freischaffender Zeichner. "Sich mit irgendetwas zu befassen, ist Quatsch. Das, was ich kann, mache ich zu Kohle", sagte er sich. Gleich, welche Risiken damit verbunden sein würden. Zum Beispiel Neues zu entdecken: die Maskenbildnerei.
"Sich freimachen für anderes, ist wichtig", hat der 27-Jährige erfahren. Das gilt nicht nur dafür, den eigenen Stil zu finden, sondern auch sich weiterzuentwickeln. So lässt er auch seine Vorliebe fürs Horrorgenre zu und Einfluss auf seine zeichnerischen und plastischen Arbeiten nehmen. Dracula, Sherlock Holmes und Hitchcock - René lässt sich am liebsten von Klassikern inspirieren. Gruselgestalten formt er, mythische Figuren, und solche mit krummen, warzengespickten Nasen und spitzen Ohren.
Auch sein ab April anstehendes "dickes Filmprojekt", über das er noch nicht sprechen darf, hat mit Maskenbildnerei zu tun. Für einen Kinofilm arbeitet René in der Spezialrequisite, soviel gibt er Preis.
Als Kleinstädter der Großstadt nach einigen Jahren überdrüssig, ließ er sich im November in Oranienburg nieder. Sein Zuhause ist sein Büro. Ab und zu unterwegs nach Berlin, zeichnet er in der S-Bahn sitzend in sein Skizzenbuch. Markante Gesichter zum Beispiel.
In seiner neuen Heimatstadt möchte er nun sein Wissen weitergeben. An der Kreisvolkshochschule hat er für einen Comic-Kurs angeheuert. Starten sollte der Anfang Februar. Doch Teilnehmer haben sich nicht ausreichend gefunden. "Ich sehe das gelassen. Das braucht Anlaufzeit", sagt der Illustrator, der den Kurs im Herbst noch einmal anbieten wird. "Es ist eine schöne Abwechslung", meint er über den möglichen Dozentenjob.
So gibt er weiter, was er einst von seinen Lehrern und Wegbegleitern erfahren hat und was ihn selbst, auf seinem Weg zum Storyboarder, prägte. Mehr auf Renés Blog: www.reneborbely.blogspot.com/
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