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Patrik Rachner 28.01.2012 11:26 Uhr - Aktualisiert 30.01.2012 13:10 Uhr
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Stark sein im Miteinander

Havelland (MZV) Die Idee ist nicht neu, doch deshalb noch lange nicht minder interessant. Wenn der in Schönwalde lebende Landesvorsitzende der Senioren Union Brandenburg, Ingo Hansen, derzeit an den entsprechenden Stellen im gesamten Land Klinken putzt, um für das Projekt „Seniorengenossenschaften“ zu werben, dann hat er sich die Aufgabe zum Ziel gesetzt, etwas für die Interaktion von Generationen zu tun. Den demografischen Wandel hat er dabei schließlich fest im Blick.

  Gemeinsam nicht mehr einsam: Senioren benötigen Hilfe im Alltag. Ingo Hansen will gerne das Modell Seniorengenossenschaft etablieren. © MZV

Das, was im baden-württembergischen Riedlingen auf Initiative von Josef Martin bereits seit 21 Jahren funktioniert und dafür sogar den Innovationspreis verliehen bekommen hat, sollte nach Willen von Ingo Hansen auch hierzulande gelingen können. Doch was steckt konkret hinter dem Solidaritäts- und Selbsthilfemodell „Seniorengenossenschaft“?

„Ziel ist es, junge und alte Menschen einander näher zu bringen, indem die Jüngeren beispielsweise hilfsbedürftige ältere Menschen versorgen, sprich im Haushalt helfen oder aber beim Einkauf Unterstützung leisten. Dafür erhalten Mitglieder der Seniorengenossenschaft einen Obolus in Höhe von 6,80 Euro die Stunde, den der- oder diejenige sich allerdings auch in Form von geleisteten Stunden gutschreiben lassen kann“, erklärt Hansen.

Demnach können ehrenamtliche Leistungen also verrechnet oder vergütet werden. Wenn also ein junger Mensch 1.000 Stunden ableistet, stehen auf dem Konto in der Summe 68.000 Euro zu Buche, die man sich am Ende auszahlen lassen kann. Die zweite Variante ist, die Stunden der erbrachten Leistungen von jungen Helfern, sollte die eigene Bedürftigkeit irgendwann selbst vorhanden sein, auf dem Konto stehen zu lassen. So kann die Bereitschaft, soziale Dienstleistungen miteinander und füreinander zu erbringen, laut Hansen dementsprechend mit der Vorsorge verbunden sein, diese selbst irgendwann für sich beanspruchen zu können.

Vor dem Hintergrund, dass alte Leute gerne solange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben wollen und in der Gesellschaft die Zahl der Singlehaushalte wächst, gilt es, so Hansen, etwas gegen die Vereinsamung von Menschen zu tun. „Darum müssen wir uns kümmern. Das ist eine primäre Aufgabe“, so der Landesvorsitzende der Senioren Union, der auch das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden bekleidet.

Gemeinsam mit seinem Team reist er derzeit von Landkreis zu Landkreis und stellt das Konzept vor. „Das Modell stößt auf großes Interesse“, sagt er. Die Pläne für die konkrete Umsetzung würden zudem von Tag zu Tag reifen. In jedem Fall sollen die erbrachten Dienstleistungen der Seniorengenossenschaften den besonderen Anforderungen des Lebensalltags und des Wohnumfeldes älterer Menschen in Gänze gerecht werden.

Für Hansen steht die Gemeinnützigkeit des Projektes im Vordergrund. Er hat deshalb auch keine Bedenken, dass das Vorhaben an parteipolitische Grenzen stoßen könnte. „Das spielt keine Rolle“, sagt er, „mitmachen kann jeder. Das Projekt ist schließlich von Menschen für Menschen“.

Apropos. Ressentiments gegen Personen fast jedweder Couleur gibt es definitiv keine. „In der Seniorengenossenschaft können alle Mitglied werden, ob Christen oder Moslems. Nur eine braune Gesinnung dürfen sie nicht haben. Wir sind absolut gegen Rechts. Da geht gar nichts, wir klären die Leute auf“, so Hansen. Die Mitgliedsbeiträge belaufen sich nach derzeitigem Stand der Dinge für Einzelpersonen auf 36 Euro, Paare zahlen 50 Euro pro Jahr. Hansen sieht im Modell „Seniorengenossenschaft“ übrigens eine sinnvolle Weiterentwicklung zu bereits vorhandenen Angeboten von Sozialverbänden. „Wir sehen uns keinesfalls als Konkurrenz zu bestehenden Organisationen. Im Gegenteil, wir können nur zusammen etwas erreichen.“

Ende des Jahres soll in einer Modellkommune, entweder im Havelland oder in Oberhavel, so Hansen, mit dem Pilotprojekt begonnen werden. Doch für den Landesvorsitzenden der Senioren Union heißt es bis dato weiterhin Klinken putzen. „Wir sind aber alles in allem auf einem guten Weg“, ist sich Hansen sicher. „Das spüren wir.“

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