Bad Freienwalde (moz) Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Umwelt der Bad Freienwalder Stadtverordnetenversammlung steht mehrheitlich hinter der geplanten Investition in eine große Gewächshausanlage mit Vermarktungshalle in Bralitz. Auf die Tagesordnung seiner Sitzung am vergangenen Donnerstagabend hatte die Verwaltung kurzfristig eine Beschlussvorlage über die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans gesetzt. Bei dieser Variante der Bauleitplanung führt die Stadt das verfahren, während der Vorhabenträger, also der Investor, die Kosten zu tragen hat. Bei einem allgemeinen Bebauungsplan ist die Stadt in der Zahlpflicht.
Hintergrund des Bebauungsplanverfahrens ist der Wunsch der Betreiber des Sägewerks mit Holzschnitzelkraftwerk, die bei der Stromerzeugung anfallende Abwärme und das Kohlendioxid umweltfreundlich nachzunutzen. Dafür bietet sich der großflächige Anbau von Rispentomaten an, die als Nachtschattengewächse Kohlendioxid verbrauchen und einen großen Wärmebedarf haben. Das Frauenhofer-Institut begleitet das Vorhaben aus wissenschaftlicher Sicht und ist dem Vernehmen nach auch selbst an der Investition beteiligt. Wie bereits auf einer Bauausschusssitzung informiert wurde, arbeiten die Investoren dabei eng mit holländischen Fachleuten zusammen. Sechs Millionen Euro sollen investiert werden. Von 20 neu entstehenden Arbeitsplätzen ist die Rede.
Bürgermeister Ralf Lehmann (parteilos) informierte den Wirtschaftsausschuss darüber, dass die Stadt in der vorigen Woche bereits die Planungsanfrage an den Landkreis, das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz sowie die gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg geschickt habe, um zu eruieren, ob die Investition im Einklang mit den übergeordneten Planungszielen stehe. „Das Vorhaben ist nicht ganz konfliktfrei“, sagte Lehmann klipp und klar. Er verwies auf einzelne Wohnbauten in der Nähe der großen Produktionsanlagen und die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Das Planungsgebiet liegt im Außenbereich der Siedlung, wo es auch zulässig ist, aber auch im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Die Stadtverwaltung habe sich aber entschlossen, das Planungsverfahren einzuleiten und zu führen.
Im Wirtschaftsausschuss erhob sich mit Doris Stöckmann nur eine kritische Stimme. Sie äußerte neben Umweltschutzbedenken auch die Frage: „Werden dann für die 20 Arbeitsplätze auch Tariflöhne gezahlt?“ Der sachkundige Bürger Olaf Kühnel widersprach ihr: „Für mich ist erst einmal wichtig, dass überhaupt 20 Arbeitsplätze entstehen. Wir haben schließlich hier eine Arbeitslosenquote von 15,2 Prozent! Und auch das Landschaftsbild leidet nicht, die Gegend wächst sonst nämlich langsam zu.“
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