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Abgelaufen – noch essbar? MHD richtig verstehen

Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel landen jährlich in deutschen Haushalten im Müll. Ein maßgeblicher Grund dafür ist ein weit verbreitetes Missverständnis: Viele Menschen verwechseln das Mindesthaltbarkeitsdatum mit einem Verfallsdatum. Der Joghurt, dessen Datum drei Tage überschritten ist, wandert in die Tonne. Die Nudeln, die seit zwei Jahren im Schrank stehen, ebenfalls. Dabei wären beide Produkte mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einwandfrei genießbar.

Diese Praxis belastet nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt erheblich. Nach aktuellen Zahlen des Umweltbundesamts fielen 2023 in Deutschland rund 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Etwa 58 Prozent davon stammen aus privaten Haushalten. Das entspricht rund 75 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Ein großer Teil dieser Verschwendung ließe sich durch besseres Verständnis der Haltbarkeitsangaben vermeiden.

Was bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum wirklich?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein Qualitätsversprechen des Herstellers, jedoch kein Verfallsdatum. Es gibt an, bis zu welchem Zeitpunkt ein ungeöffnetes Lebensmittel bei sachgerechter Lagerung garantiert seine spezifischen Eigenschaften behält. Dazu gehören Geschmack, Geruch, Konsistenz, Farbe sowie der Nährwert. Die Kennzeichnung lautet stets „mindestens haltbar bis“ und wird mit Tag, Monat oder Jahr angegeben. Bei Produkten mit einer Haltbarkeit unter drei Monaten müssen Tag und Monat genannt werden. Liegt die Haltbarkeit zwischen drei und 18 Monaten, genügen Monat und Jahr. Bei längerer Haltbarkeit reicht die Jahresangabe aus.

Nach Ablauf des angegebenen Datums bedeutet dies keineswegs, dass ein Produkt automatisch verdorben oder gesundheitsschädlich ist. Die Festlegung des Mindesthaltbarkeitsdatums liegt im Ermessen des Herstellers, der dabei oft vorsichtig kalkuliert. Manche Unternehmen setzen das Datum bewusst früher an, um auf Nummer sicher zu gehen. Die Folge: Produkte sind häufig noch Wochen oder sogar Monate über das angegebene Datum hinaus genießbar. Der Verkauf von Lebensmitteln mit überschrittenem MHD ist übrigens erlaubt. Händler müssen lediglich prüfen, ob die Ware noch einwandfrei ist, und Kunden auf das überschrittene Datum hinweisen.

Der Unterschied zwischen MHD und Verbrauchsdatum

Während das Mindesthaltbarkeitsdatum eine Orientierungshilfe für die Qualität darstellt, gibt es eine zweite Kennzeichnung mit ganz anderen Konsequenzen. Das Verbrauchsdatum mit der Aufschrift „zu verbrauchen bis“ findet sich auf leicht verderblichen Produkten. Dazu zählen rohes Hackfleisch, frisches Geflügel, Räucherfisch sowie Vorzugsmilch. Diese Lebensmittel können nach kurzer Zeit eine unmittelbare Gesundheitsgefahr darstellen, da sie mikrobiologisch sehr anfällig sind. Krankheitserregende Keime vermehren sich rasch und sind für den Verbraucher oft nicht erkennbar.

Bei Produkten mit Verbrauchsdatum handelt es sich tatsächlich um eine harte Grenze. Nach Ablauf dieses Datums dürfen die Lebensmittel weder verkauft noch verzehrt werden. Die Gefahr durch pathogene Bakterien ist real, selbst wenn das Produkt äußerlich noch frisch erscheint. Ältere Menschen, Schwangere, Kleinkinder sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem sollten das Verbrauchsdatum besonders streng beachten. Anders als beim Mindesthaltbarkeitsdatum greift hier keine Kulanz. Die Gesundheit steht an erster Stelle, weshalb diese Produkte bei Überschreitung des angegebenen Datums konsequent entsorgt werden müssen.

Diese Lebensmittel halten deutlich länger als angegeben

Die Haltbarkeit von Lebensmitteln über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus variiert stark je nach Produktgruppe. Trockene Lebensmittel wie Nudeln aus Hartweizengrieß oder weißer Reis bleiben bei sachgerechter Lagerung problemlos mehrere Jahre genießbar. Gleiches gilt für Mehl, Zucker, Salz, Honig oder Essig. Diese Produkte benötigen teilweise nicht einmal ein Mindesthaltbarkeitsdatum, da sie bei trockener und kühler Lagerung praktisch unbegrenzt haltbar sind. Vollkornvarianten bilden eine Ausnahme, da der höhere Fettgehalt zu ranzigem Geschmack führen kann.

Haltbare Lebensmittel

Milchprodukte zeigen ebenfalls bemerkenswerte Haltbarkeitsreserven. Joghurt, Quark, Käse und Butter halten sich ungeöffnet meist deutlich länger als das aufgedruckte Datum vermuten lässt. Durch den Gehalt an Milchsäure verfügen gereifte Produkte über einen natürlichen Säureschutz. Joghurt kann mehrere Wochen über das MHD hinaus noch gut sein. H-Milch übersteht sogar rund fünf Monate ungekühlt, während frische Milch oft ein paar Tage länger hält. Tiefkühlprodukte bleiben in ungeöffneter Verpackung ebenfalls etliche Monate nach Ablauf des Datums verzehrfähig. Konservendosen, Senf, Kaffee oder Schokolade gehören zu den besonders langlebigen Lebensmitteln, sofern sie korrekt gelagert wurden.

Lebensmittelverschwendung vermeiden und Geld sparen

Die aktuelle Datenlage zeigt das Ausmaß des Problems deutlich. Im Jahr 2022 warfen private Haushalte in Deutschland etwa 6,3 Millionen Tonnen Lebensmittel weg. Das entspricht rund 75 Kilogramm pro Kopf. Rund 40 Prozent dieser Abfälle wären vermeidbar gewesen. Durch bewussteren Umgang mit Lebensmitteln könnten durchschnittlich etwa 70 Euro pro Person jährlich eingespart werden. Die häufigsten Gründe für das Wegwerfen sind interessanterweise nicht überschrittene Mindesthaltbarkeitsdaten, sondern verdorbene Lebensmittel, zu große Portionen sowie falsche Mengenplanung beim Einkauf.

Praktische Maßnahmen helfen, die eigene Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Regelmäßige Kontrolle der Vorräte nach dem First-in-first-out-Prinzip verhindert, dass Produkte in Vergessenheit geraten. Beim Einkauf lohnt sich der Griff zu Waren mit reduziertem Preis, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald erreicht ist. Diese können meist problemlos innerhalb weniger Tage verbraucht werden. Auch die richtige Lagerung spielt eine wichtige Rolle. Kühlschränke verfügen über verschiedene Temperaturzonen, die optimal genutzt werden sollten. Reste von geöffneten Packungen gehören in verschließbare Behälter. Wer bewusst mit Haltbarkeitsangaben umgeht und seine Sinne einsetzt, leistet einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz und schont gleichzeitig den eigenen Geldbeutel.

Die Sinnesprüfung als verlässlicher Test

Bei Produkten mit überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum hilft eine einfache Methode: die Prüfung mit den eigenen Sinnen. Der erste Blick gilt der Verpackung. Ist sie aufgebläht, beschädigt oder zeigt sie Verfärbungen? Falls ja, sollte das Produkt entsorgt werden. Bei intakter Verpackung folgt nach dem Öffnen die Sichtprüfung. Schimmel, untypische Verfärbungen oder Veränderungen der Konsistenz sind eindeutige Warnzeichen. Der Geruchstest liefert weitere wichtige Hinweise. Ein muffiger, säuerlicher oder anderweitig ungewöhnlicher Geruch deutet auf Verderb hin.

Sinnesprüfung bei Lebensmittel

Bei unauffälligem Aussehen und neutralem Geruch kann eine kleine Geschmacksprobe folgen. Hat das Lebensmittel seinen charakteristischen Geschmack bewahrt, spricht nichts gegen den Verzehr. Eine veränderte Konsistenz oder ein ranziger, bitterer Geschmack signalisieren hingegen, dass das Produkt nicht mehr verwendet werden sollte. Diese Sinnesprüfung funktioniert bei den meisten Lebensmitteln zuverlässig. Vorsicht ist allerdings bei zusammengesetzten Fertigprodukten geboten. Starke Gewürze oder Aromen können Verderb überdecken. Bei geringsten Zweifeln gilt: Im Zweifelsfall lieber wegwerfen als ein Gesundheitsrisiko eingehen.

Fazit: Abgelaufen – noch essbar?

Fazit: Abgelaufen – noch essbar? Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein Qualitätshinweis, kein Verfallsdatum. Die meisten Lebensmittel bleiben weit über das angegebene Datum hinaus genießbar, wenn man sie richtig lagert und die Verpackung intakt ist. Eine einfache Prüfung mit Augen, Nase und Geschmackssinn gibt zuverlässig Auskunft über die tatsächliche Verzehrfähigkeit. Lediglich bei Produkten mit Verbrauchsdatum ist Vorsicht geboten – hier besteht nach Ablauf ein echtes Gesundheitsrisiko.

Wer das Mindesthaltbarkeitsdatum als das versteht, was es ist – nämlich eine Mindestgarantie statt einer Höchstgrenze –, kann aktiv Lebensmittelverschwendung reduzieren, Geld sparen und einen Beitrag zu nachhaltigerem Konsum leisten. Die Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen, doch die Mühe lohnt sich für Umwelt, Geldbeutel und Gewissen gleichermaßen.

Miriam Falkner

Ich bin Redakteurin für Lifestyle, Haushalt, Familie und Alltagsthemen und mag das Unaufgeregte. Mich interessieren die Dinge, die bleiben, wenn man das Laute weglässt: wie wir wohnen, was wir essen, was uns bewegt. Kultur bedeutet für mich nicht Distanz, sondern Alltag mit Haltung. Nach meinem Studium der Medien- und Kulturwissenschaften in Potsdam habe ich direkt in der Redaktion begonnen, zuerst im Printbereich, später im Digitalen. Ich schreibe über das Echte, das oft übersehen wird, aber viel über unsere Zeit erzählt. Bei Die Mark Online widme ich mich diesen Themen, die nicht laut sein müssen, um Bedeutung zu haben. Mein Stil ist ehrlich, klar und aufmerksam für Details. Ich glaube daran, dass Texte auch ohne Effekte wirken, wenn sie nah am Leben sind.

"Das Echte findet man oft im Kleinen, nicht im Spektakulären." Miriam Falkner

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