Amrum
Historische Stoffe gewinnen an Tiefe, wenn sie persönliche Perspektiven wie in „Amrum“ nutzen und zugleich den gesellschaftlichen Umbruch einer Epoche sichtbar machen. Der Film verknüpft Kriegsende, familiäre Belastungen und die stille Weite der Insel, während er behutsam zeigt, wie ein junger Mensch zwischen Pflichtgefühl und wachsender Selbstständigkeit handelt. Dadurch entsteht ein konzentrierter Blick auf eine Phase, in der äußere Ordnung zerbricht und innere Orientierung neu entsteht.
- Amazon Prime Video (Video-on-Demand)
- Jasper Billerbeck, Laura Tonke, Lisa Hagmeister (Schauspieler)
- Fatih Akin(Regisseur) - Fatih Akin(Autor) - Lara Rose Förtsch(Produzent)
- Zielgruppen-Bewertung:Freigegeben ab 12 Jahren
In dieser Situation lebt der zwölfjährige Nanning auf Amrum, unterstützt seine überforderte Mutter und versucht, die Familie während der letzten Kriegswochen zu versorgen. Er arbeitet auf Höfen, sucht Tauschmöglichkeiten und begegnet Menschen, die ihm neue Grenzen sowie ungewohnte Nähe zeigen. Seine nächtlichen Träume, die Erinnerung an Onkel Theo und die Suche nach Brot, Butter und Honig prägen seinen Alltag, bis die Familie nach Hamburg zurückkehrt. Welche Konsequenzen trägt er aus diesen Erfahrungen?
Handlung von „Amrum“
In den letzten Kriegswochen 1945 lebt der zwölfjährige Nanning mit seiner Familie auf Amrum, nachdem sie aus dem zerstörten Hamburg fliehen mussten. Weil seine Mutter hochschwanger und überzeugte Nationalsozialistin ist, trägt er viele Aufgaben allein. Er arbeitet auf Tessas Hof oder sammelt Treibholz, jedoch beendet eine Denunziation durch seine Mutter seine Tätigkeit. Während die Inselbewohner dem Regime misstrauen, versucht Nanning dennoch, im Alltag klarzukommen. Obwohl sein Vater als SS-Offizier an der Front kämpft, erlebt der Junge zunehmend, wie brüchig die Ordnung wird und wie stark die Unsicherheit wächst. Gleichzeitig entdeckt er erste Hinweise auf Konflikte innerhalb der Dorfgemeinschaft auf Amrum.
Nannings Alltag verändert sich, als seine Mutter nach der Geburt seiner Schwester und dem Zusammenbruch des Regimes in eine tiefe Depression fällt. Deshalb sucht er Wege, ihren Wunsch nach Weißbrot mit Butter und Honig zu erfüllen, obwohl die Versorgungslage äußerst knapp bleibt. Mithilfe von Tauschgeschäften und der Unterstützung verschiedener Bewohner wie dem Fischer Sam Gangsters gelingt es ihm, die nötigen Zutaten aufzutreiben, doch jeder Schritt fordert Mut. Zusätzlich lernt er friesische Wörter, hilft bei einer Robbenjagd und nimmt ein Kaninchen aus, weshalb er erstmals bewusst mit dem Tod konfrontiert wird. Gleichzeitig vertieft er Vertrauen zu Menschen trotz wachsender innerer Zweifel.
Parallel entdeckt Nanning schmerzhafte Wahrheiten über seine Familie, denn er erfährt, dass Onkel Theo wegen der Nazis in Amerika bleiben musste und dessen Verlobte ermordet wurde. Daher bedrängen ihn neue Fragen nach Verantwortung und Herkunft, während ihn Theos Erscheinung im Traum zusätzlich verunsichert. Schließlich besorgt er am Tag der Kapitulation das ersehnte Weißbrot, doch seine Mutter kann es nicht annehmen. Weil die Familie kaum Mittel besitzt, droht erneute Not. Ein Brief des Vaters aus britischer Gefangenschaft verlangt die Rückkehr nach Hamburg, weshalb sie abreisen. In einer späteren Szene steht Hark Bohm schweigend am Strand und blickt still aufs Meer hinaus.
Besetzung, Regie, Drehbuch und Technische Aspekte
„Amrum“ erschien 2025 als 93-minütiges Filmdrama mit FSK 12 und entstand unter der Regie von Fatih Akin, der gemeinsam mit Hark Bohm auch das Drehbuch schrieb. Hainbach komponierte die Musik, während Karl Walter Lindenlaub die Kamera führte und Andrew Bird den Schnitt übernahm. Jasper Billerbeck spielt Nanning, Kian Köppke Hermann, Laura Tonke Hille Hagener, Diane Kruger Tessa Bendixen, Matthias Schweighöfer Onkel Theo, Detlev Buck Sam Gangsters und Lisa Hagmeister Ena. Die Produktion von Lara Förtsch nutzte Drehorte in Hamburg, auf Amrum sowie in Vesterende Ballum in Dänemark. Seth Turner gestaltete das Szenenbild und Birgit Missal das Kostümbild. Der Film feierte 2025 Premiere in Cannes und erhielt mehrfach Förderung, darunter Mittel vom DFFF, von der FFA, vom Medienboard Berlin-Brandenburg, von der MFG Baden-Württemberg und von der MOIN Filmförderung. Warner Bros Pictures Germany startete den Film am 9. Oktober 2025. Weitere Festivals zeigten Amrum später in Hamburg und beim AFI Fest.
Filmkritik von „Amrum“
„Amrum“ überzeugt mit seiner ruhigen Intensität, weil Fatih Akin die melancholische Atmosphäre der Insel präzise nutzt und dennoch nie in Sentimentalität flüchtet. Obwohl einige Nebenrollen verschenkt wirken, trägt die dichte Erzählung über Nannings schwierigen Weg das Geschehen zuverlässig. Dabei entsteht ein stimmiges Bild vom Ende des Krieges, das dank klarer Beobachtungen wirkt. Zudem entwickeln die Landschaftsbilder eine starke Präsenz, doch sie überstrahlen nie die menschlichen Konflikte. Trotz kleiner Schwächen bleibt der Kern kraftvoll.
Gleichzeitig entfaltet der Film durch seine pointierten Episoden eine nachvollziehbare Dynamik, denn Nannings Suche verbindet viele Eindrücke geschickt. Während manche Darstellungen etwas steif ausfallen, hält die Regie den Fokus stabil. Dadurch entsteht eine glaubhafte Mischung aus sachlicher Erinnerung und persönlicher Resonanz. Außerdem formt die subtile Dramaturgie einen nachhaltigen Eindruck. Amrum bleibt damit ein konzentriertes Drama, das sowohl berührt als auch fordert.