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Immobilie als Altersvorsorge: Rechnet sich das noch?

Die gesetzliche Rente wird künftig kaum ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Prognosen zufolge deckt sie nur noch 40 bis 50 Prozent des letzten Nettoeinkommens ab. Deshalb suchen viele Menschen nach alternativen Wegen zur finanziellen Absicherung im Ruhestand. Immobilien galten lange als sichere Bank für die Altersvorsorge – doch haben sich die Rahmenbedingungen Ende 2025 grundlegend verändert.

Nach Jahren extremer Preisschwankungen stellt sich die Frage neu: Lohnt sich der Immobilienkauf noch als Vorsorgestrategie? Die Zinsen sind von ihren Tiefstständen weit entfernt, gleichzeitig ziehen die Preise wieder an. Wer jetzt über den Erwerb einer Immobilie nachdenkt, muss zahlreiche Faktoren abwägen. Eine fundierte Entscheidung erfordert einen nüchternen Blick auf Kosten, Renditen und Alternativen.

Zinswende und Finanzierungskosten 2025

Die Finanzierungslandschaft hat sich stabilisiert, liegt aber auf einem deutlich höheren Niveau als in den Jahren zuvor. Aktuell bewegen sich die Bauzinsen zwischen 3,2 und 4,0 Prozent bei zehnjähriger Zinsbindung. Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins im Laufe des Jahres 2025 mehrfach gesenkt und liegt nun bei 2,15 Prozent. Diese Entwicklung brachte eine gewisse Erleichterung für Kaufinteressenten, doch von den Traumkonditionen unter einem Prozent ist der Markt weit entfernt.

Viele Experten rechnen damit, dass die Zinsen 2026 in einem Korridor zwischen 3,5 und 4,0 Prozent verbleiben werden. Käufer sollten nicht darauf spekulieren, dass die Konditionen deutlich günstiger werden. Stattdessen gewinnen lange Zinsbindungen an Bedeutung, weil sie Planungssicherheit über Jahrzehnte bieten. Wer heute finanziert, muss mit höheren monatlichen Belastungen kalkulieren als noch vor wenigen Jahren – was die Anforderungen an Eigenkapital und Bonität verschärft.

Preisentwicklung am deutschen Immobilienmarkt

Nach der Korrekturphase 2022 bis 2024 haben die Immobilienpreise wieder den Aufwärtstrend eingeschlagen. Im Jahr 2025 stiegen die Kaufpreise für Wohnimmobilien im Durchschnitt um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für 2026 prognostizieren Marktbeobachter weitere Preissteigerungen von rund drei Prozent. Besonders gefragt bleiben energieeffiziente Objekte in guten Lagen, während unsanierte Bestandsimmobilien mit schlechter Energiebilanz Preisabschläge hinnehmen müssen.

Regionale Unterschiede prägen das Bild erheblich. In Metropolen wie München, Hamburg und Berlin bewegen sich die Quadratmeterpreise auf hohem Niveau, während ländliche Regionen deutlich günstiger bleiben. Ein Neubauhaus kostete im November 2025 durchschnittlich 573.447 Euro, ein Bestandshaus aus dem Baujahr 1983 etwa 376.069 Euro. Die Nachfrage übersteigt weiterhin das Angebot, weil zu wenig gebaut wird – ein Trend, der sich kurzfristig nicht umkehren dürfte.

Mietrenditen und laufende Erträge

Die Brutto-Mietrenditen haben sich im ersten Halbjahr 2025 leicht erholt und liegen in den 50 größten deutschen Städten durchschnittlich bei 4,01 Prozent. Allerdings bestehen enorme regionale Unterschiede: A-Städte wie München bieten nur 3,08 Prozent Rendite, während B-Städte wie Chemnitz mit 5,85 Prozent locken. Nach Abzug von Bewirtschaftungskosten, Instandhaltungsrücklagen und Steuern bleibt oft deutlich weniger übrig als erhofft.

Mietrenditen und laufende Erträge

Die Mietpreisentwicklung zeigt sich robust. Im ersten Quartal 2025 legten die Mieten im Jahresvergleich um 3,5 Prozent zu, Neuvertragsmieten stiegen teilweise um bis zu fünf Prozent. Diese Dynamik stärkt die Position vermietender Eigentümer, weil regelmäßige Einnahmen die Altersvorsorge stabilisieren. Experten betonen jedoch, dass die Nettomietrendite mindestens drei bis vier Prozent betragen sollte, damit sich die Investition nach allen Kosten wirklich rechnet.

Eigennutzung versus Vermietung

Die selbstgenutzte Immobilie bietet im Alter den Vorteil mietfreien Wohnens. Laut Statistischem Bundesamt wohnen Immobilienbesitzer etwa 500 Euro günstiger pro Monat als Mieter – macht 6.000 Euro jährlich. Allerdings trägt der Eigentümer sämtliche Instandhaltungskosten allein, während Mieter davon verschont bleiben. Die oberste Regel lautet: Die Finanzierung muss spätestens zum Renteneintritt vollständig abgezahlt sein, sonst werden Zins und Tilgung zur Belastung statt zur Entlastung.

Vermietete Immobilien generieren kontinuierliche Zusatzeinkünfte und können die Rentenlücke schließen helfen. Diese Strategie funktioniert besonders gut in Universitätsstädten oder Ballungszentren mit stabiler Nachfrage. Der Nachteil: Vermietung kostet Zeit, Nerven und Geld für Verwaltung, Instandhaltung und mögliche Leerstandszeiten. Wer keine Lust auf Mietersuche und Reparaturen hat, findet Alternativen in Immobilienfonds oder REITs – mit geringerer Rendite, aber ohne direkten Verwaltungsaufwand.

Risiken und Herausforderungen

Immobilien sind keine risikofreie Anlage. Leerstand, Mietausfall und unvorhergesehene Reparaturen gehören zum Alltag vieler Vermieter. Dazu kommen Risiken bei Anschlussfinanzierungen: Wer nach Ablauf der Zinsbindung deutlich höhere Konditionen akzeptieren muss, sieht seine Rentabilität schnell schwinden. Energetische Sanierungen werden zunehmend verpflichtend, was bei Altbauten zu erheblichen Investitionen führt.

Immobilien sind keine risikofreie Anlage

Demografische Veränderungen beeinflussen langfristig die Attraktivität bestimmter Regionen. Schrumpfende Bevölkerungszahlen in strukturschwachen Gebieten drücken auf Nachfrage und Werte. Investitionen in Regionen mit stabiler oder wachsender Bevölkerung sowie diversifizierter Wirtschaftsstruktur bieten mehr Sicherheit. Verschärfte Mieterschutzgesetze können ebenfalls die Rentabilität beeinflussen – ein Faktor, den langfristig orientierte Investoren nicht ignorieren sollten.

Alternative Anlageformen im Vergleich

ETF-Sparpläne haben sich als flexible, kostengünstige Alternative zur Immobilie etabliert. Wer monatlich in breit gestreute Indexfonds investiert, profitiert vom Durchschnittskosteneffekt und streut das Risiko auf tausende Unternehmen weltweit. Historische Daten zeigen, dass der Aktienmarkt langfristig höhere Renditen abwirft als andere Anlageklassen. ETFs auf den MSCI World oder FTSE All-World eignen sich besonders gut für den langfristigen Vermögensaufbau zur Altersvorsorge.

Die Bundesregierung plant ab 2027 ein gefördertes Altersvorsorgedepot, das renditestarke Aktieninvestments mit staatlichen Zulagen kombiniert. Bis zu 480 Euro jährliche Förderung sind möglich, Berufseinsteiger unter 25 Jahren erhalten zusätzlich 200 Euro in den ersten drei Jahren. Finanzexperten empfehlen grundsätzlich eine Diversifikation: Weder ausschließlich auf Immobilien noch rein auf Wertpapiere setzen, sondern verschiedene Bausteine kombinieren. Diese Strategie minimiert Risiken und maximiert die Chancen auf finanzielle Sicherheit im Alter.

Fazit zur Immobilie als Altersvorsorge

Fazit zur Immobilie als Altersvorsorge Immobilien bleiben auch 2025 ein tragfähiger Baustein der Altersvorsorge – allerdings unter veränderten Vorzeichen. Die gestiegenen Zinsen und Preise erfordern eine realistische Finanzplanung mit ausreichend Eigenkapital und langer Zinsbindung. Entscheidend sind die richtige Standortwahl, eine solide Finanzierungsstrategie und ein Zeithorizont von mindestens 15 Jahren.

Wer diese Voraussetzungen erfüllt und zusätzlich andere Anlageformen wie ETFs einbezieht, kann mit Immobilien erfolgreich für das Alter vorsorgen. Blind auf die Wertsteigerungen der Vergangenheit zu setzen wäre jedoch naiv – der Markt hat sich gewandelt, und nur wer informiert und überlegt handelt, wird langfristig profitieren.

Karl-Heinz Merten

Ich bin Kolumnist und Autor für Finanzen, Wirtschaft, Wissen und schreibe mit Haltung, aber ohne Scheuklappen. Kolumnen sind für mich kein Ort für Parolen, sondern für Perspektiven mit Tiefe. Geschichte verstehe ich nicht als staubige Erinnerung, sondern als lebendigen Rahmen unserer Gegenwart. Politik interessiert mich dort, wo sie den Alltag der Menschen berührt. Mein journalistischer Weg begann in einer kleinen Lokalredaktion und führte mich über Stationen in Bonn und Hamburg schließlich nach Berlin. Nach dem Studium der Geschichte und Politikwissenschaft in Köln sowie einer Ausbildung beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk habe ich mich kontinuierlich weitergebildet, unter anderem in politischer Kommunikation, Medienethik und wirtschaftlichem Fachjournalismus. Besonders faszinieren mich die Schnittstellen von Politik, Wirtschaft und gesellschaftlicher Entwicklung. Ich schreibe nicht, um zu gefallen, sondern um Orientierung zu geben, gedruckt und digital. Bei Die Mark Online greife ich regelmäßig aktuelle Themen auf, die nach Einordnung verlangen.

"Journalismus heißt für mich: zuhören, verstehen, einordnen – nicht nachplappern." Karl-Heinz Merten

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