Reichweite, Strompreise, Förderung: So rechnet sich ein Elektroauto
Die Elektromobilität steht Ende 2025 an einem Wendepunkt. Während die Modellvielfalt wächst und die Technologie ausgereifter wird, stagnieren die Verkaufszahlen bei Privatkunden. Viele potenzielle Käufer zögern noch, obwohl mittlerweile über 135.000 Ladepunkte in Deutschland verfügbar sind. Die Unsicherheit über Reichweiten, Ladekosten und Förderungen hält zahlreiche Interessenten vom Kauf ab.
Dabei hat sich die wirtschaftliche Situation für Elektroautos in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Moderne Modelle erreichen Reichweiten von durchschnittlich 425 Kilometern, manche Fahrzeuge schaffen sogar über 600 Kilometer mit einer Ladung. Gleichzeitig plant die Bundesregierung für 2026 neue Kaufanreize speziell für Haushalte mit mittlerem Einkommen. Die Frage lautet nicht mehr, ob sich ein Elektroauto rechnet, sondern für wen und unter welchen Bedingungen.
Reichweite moderner Elektroautos: Die Technik holt auf
Die durchschnittliche Reichweite von Elektrofahrzeugen ist seit 2014 von 151 Kilometern auf 425 Kilometer im Jahr 2024 gestiegen. Spitzenmodelle wie der BMW iX xDrive 50 oder der Lucid Air schaffen im praxisnahen ADAC Ecotest sogar 610 Kilometer. Diese Werte liegen zwar unter den optimistischen Herstellerangaben nach WLTP-Norm, bilden jedoch die Realität besser ab. Selbst kompakte Modelle wie der Hyundai Kona Elektro oder der Kia EV3 erreichen mit effizienten Motoren und intelligenter Batterietechnik erstaunliche Distanzen trotz moderater Akkugrößen.
Die tatsächliche Reichweite hängt von mehreren Faktoren ab. Niedrige Temperaturen im Winter reduzieren die Kapazität um 25 bis 40 Prozent, während hohe Geschwindigkeiten auf Autobahnen den Verbrauch erheblich steigern. Wer statt 130 nur 110 km/h fährt, kann die Reichweite um 20 bis 30 Prozent erhöhen. Die Rekuperation, also die Rückgewinnung von Bremsenergie, trägt besonders im Stadtverkehr zur Effizienz bei. Moderne Fahrzeuge bieten verschiedene Rekuperationsstufen, die an den jeweiligen Fahrstil angepasst werden können.
Förderung ab 2026: Neue Kaufanreize für Privathaushalte
Ab 2026 soll eine neue Kaufprämie für Elektroautos und Plug-in-Hybride starten. Die Förderung richtet sich gezielt an Privathaushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von bis zu 80.000 Euro. Für jedes Kind erhöht sich diese Grenze um 5.000 Euro, sodass eine Familie mit zwei Kindern bis zu 90.000 Euro verdienen darf. Die Zuschüsse sollen zwischen 3.000 und 5.000 Euro betragen, abhängig vom Einkommen und Fahrzeugpreis. Förderfähig sind Neufahrzeuge der Klasse M1 mit einem Netto-Listenpreis unter 45.000 Euro, die erstmals in Deutschland zugelassen werden.
Neben der direkten Kaufprämie bleiben weitere finanzielle Vorteile bestehen. Elektroautos, die bis Ende 2030 zugelassen werden, sind maximal zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit, längstens jedoch bis 2035. Die THG-Quote ermöglicht jährliche Einnahmen zwischen 175 und 240 Euro durch den Verkauf eingesparter CO₂-Emissionen. Für Dienstwagen wurde die Bruttopreisgrenze für die reduzierte Versteuerung auf 100.000 Euro angehoben, außerdem können Unternehmen eine Sonderabschreibung von 75 Prozent im ersten Jahr nutzen. Diese Maßnahmen senken die effektiven Gesamtkosten erheblich.
Stromkosten im Detail: Wo und wie Sie laden

Spezielle Autostromtarife ermöglichen Einsparungen von 3 bis 4 Cent pro Kilowattstunde gegenüber normalem Haushaltsstrom. Seit 2024 gelten bundeseinheitliche Regelungen für netzorientiertes Laden, die je nach Region Rabatte von 110 bis 190 Euro jährlich ermöglichen. Wer eine Photovoltaikanlage besitzt, kann die Kosten auf unter 10 Cent pro Kilowattstunde senken. Nachtstromtarife oder dynamische Tarife, die sich am Börsenpreis orientieren, bieten weitere Sparmöglichkeiten. Die Kombination aus Eigenverbrauch, intelligenter Ladesteuerung und günstigen Tarifen macht den Unterschied zwischen wirtschaftlichem Betrieb und hohen laufenden Kosten.
Gesamtkostenrechnung: E-Auto versus Verbrenner
Die reinen Energiekosten fallen beim Elektroauto nur etwa halb so hoch aus wie beim Verbrenner. Bei 15.000 Kilometern jährlich und Heimladen kostet ein E-Auto mit 17 kWh Verbrauch etwa 800 Euro, während ein Benziner mit 6,5 Litern Verbrauch rund 1.750 Euro verschlingt. Die Wartungskosten liegen beim Elektroauto etwa 15 bis 35 Prozent niedriger, da Ölwechsel, Auspuff und Kupplungsverschleiß entfallen. Auch die Bremsen halten durch Rekuperation deutlich länger. Allerdings verbrauchen Elektroautos aufgrund ihres höheren Gewichts mehr Reifen, was die Ersparnis teilweise kompensiert.
Der höhere Anschaffungspreis bleibt jedoch eine Hürde. Nach Berechnungen des ADAC amortisiert sich diese Differenz bei typischer Nutzung nach etwa fünf bis sechs Jahren. Wer günstig zu Hause lädt, erreicht den Break-Even-Punkt schneller als reine Laternenparker. Die Wirtschaftlichkeit hängt außerdem vom Wertverlust ab, der bei Elektroautos aktuell noch höher ausfällt als bei vergleichbaren Verbrennern. Leasing kann diese Unsicherheit reduzieren, da das Wertverlustrisiko beim Leasinggeber bleibt. Bei einem Strompreis von 32 Cent pro Kilowattstunde fährt man mit den meisten E-Modellen günstiger als mit Diesel oder Benziner.
Praxistipps für maximale Wirtschaftlichkeit
Die Wahl des richtigen Fahrzeugs entscheidet über die langfristige Wirtschaftlichkeit. Effiziente Modelle wie der Hyundai Ioniq 6 oder das Tesla Model 3 verbrauchen nur 15,5 bis 16,8 kWh pro 100 Kilometer, während große SUVs bis zu 31 kWh benötigen. Wer täglich kurze Strecken fährt, braucht keine 600-Kilometer-Reichweite und kann mit einem kleineren, günstigeren Modell erheblich sparen. Die Batteriegröße sollte zum tatsächlichen Bedarf passen, denn jede zusätzliche Kilowattstunde kostet in Anschaffung und erhöht das Gewicht.

Beim Laden sollte man die 80-Prozent-Regel beachten. Das Laden von 20 auf 80 Prozent ist am effizientesten, während die letzten 20 Prozent unverhältnismäßig lange dauern und durch Ladeverluste teurer werden. Wer mehrere Ladekarten verschiedener Anbieter kombiniert, findet unterwegs immer den günstigsten Tarif. Ein vorausschauender Fahrstil mit gemäßigter Beschleunigung und konstanter Geschwindigkeit kann die Reichweite um bis zu 30 Prozent steigern. Der Eco-Modus reduziert Motor- und Heizleistung, was besonders im Winter sinnvoll ist. Sitz- und Lenkradheizung verbrauchen weniger Strom als die Innenraumheizung.
Fazit: Rechnet sich ein Elektroauto?

Die Reichweiten moderner Modelle reichen für den Alltag problemlos aus, während die Ladeinfrastruktur stetig wächst. Die Entscheidung für ein Elektroauto wird damit nicht nur zur ökologischen, sondern auch zur ökonomisch vernünftigen Wahl.