Remainder
Mit Remainder entsteht ein Drama, das Erinnern als akribische Praxis zeigt und damit ein ungewöhnliches Verhältnis zwischen Selbstbild und Inszenierung schafft. Der Film richtet den Blick auf einen Mann, der verloren wirkt und dennoch jedes Detail bindet, um Kontrolle über eine brüchige Vergangenheit zu gewinnen. Die Spannung entsteht durch die wachsende Distanz zwischen seiner Umgebung und seinem strengen Rekonstruktionswillen.
- Amazon Prime Video (Video-on-Demand)
- Tom Sturridge, Arsher Ali, Cush Jumbo (Schauspieler)
- Omer Fast(Regisseur) - Omer Fast(Autor) - Malte Grunert(Produzent)
- Zielgruppen-Bewertung:Freigegeben ab 16 Jahren
Tom folgt einer einzelnen Erinnerung, baut sie nach und verändert damit sein gesamtes Umfeld. Er löst Bindungen, engagiert Helfer und entwickelt daraus immer komplexere Szenen, die sein Leben bestimmen. Der Drang nach Genauigkeit führt zu riskanten Entscheidungen, die wiederum neue Abläufe erzeugen. So wächst ein System aus Nachstellungen, das schließlich an seinen Ursprung zurückkehrt. Wie lange kann dieser Kreislauf bestehen?
Handlung von „Remainder“
Tom erhält nach einem schweren Unfall eine hohe Entschädigung und versucht, seinen Alltag trotz Gedächtnisverlust zu ordnen. Ein flüchtiger Moment auf einer Feier weckt plötzlich eine klare Erinnerung, die Gerüche, Bewegungen und Geräusche eines Treppenhauses einschließt. Dieses Erlebnis löst in ihm den Wunsch aus, die Szene exakt nachzubauen. Deshalb engagiert er Arbeiter und beauftragt Naz mit der Organisation. Während die Nachstellung Form annimmt, verstärkt sich Toms Drang zur Genauigkeit, wodurch sein Verhalten angespannter wirkt. Parallel lösen sich frühere Freundschaften, weil er jeden Zweifel ablehnt und nur noch sein Projekt verfolgt.
Nach dem Bruch mit seinem Umfeld sucht Tom kurz Unterstützung bei Christopher, den er zufällig an einer Telefonzelle kennengelernt hat. Als Christopher einige Tage später getötet wird, nutzt Tom den Vorfall für sein nächstes Experiment. Er rekonstruiert die Situation und setzt trotz Naz’ Warnungen echte Mittel ein. Später beobachtet er einen brutalen Polizeieinsatz und entwickelt daraus den Plan für einen Banküberfall. Ein ehemaliger Strafgefangener erklärt ihm die Bedeutung sorgfältiger Proben, doch Tom ignoriert jeden Hinweis und verschärft die Abläufe. Dadurch steigt die Belastung im Team, während seine Entscheidungen immer unvorhersehbarer werden.
Beim tatsächlichen Überfall versagt der Plan, weil ein Darsteller unabsichtlich stirbt und die übrigen in Panik geraten. Tom greift ein und erschießt die restliche Gruppe, um den Ablauf zu kontrollieren. Unter den Zeugen erkennt er das Kind aus seiner ersten Rekonstruktion, was seine Instabilität weiter verstärkt. Kurz darauf begegnet er Catherine und nimmt ihr einen Koffer ab, weil er glaubt, er gehöre ihm. Anschließend tritt er nach draußen und erlebt die Sekunden vor dem Unfall erneut. Der Moment nähert sich unausweichlich, sodass die Handlung wieder an ihren Anfang zurückkehrt.
Besetzung, Regie, Drehbuch und Technische Aspekte
„Remainder“ erschien 2015 als britisch-deutsches Drama unter der Regie von Omer Fast, der auch das Drehbuch schrieb. Die Produktion lag bei Natasha Dack Ojumu und Malte Grunert, während Schneider TM die Musik komponierte, Lukas Strebel die Kamera führte und Andrew Bird den Schnitt verantwortete. Der Film basiert auf dem Roman von Tom McCarthy und wurde in London gedreht. Tom Sturridge spielte Tom, unterstützt von Cush Jumbo als Catherine Sullivan, Ed Speleers als Greg, Arsher Ali als Naz, Nicholas Farrell als Daubenay, Jumayn Hunter als Christopher, Shaun Prendergast als Dr. Merril und Adrian Schiller als Dr. Trevellian. Die Laufzeit beträgt 103 Minuten, die FSK setzte eine Freigabe ab 16 fest. „Remainder“ lief im Panorama der 66. Berlinale, startete 2016 in Deutschland und erzielte ein Box-Office-Ergebnis von 44.898 US-Dollar.
Filmkritik von „Remainder“
Der Film „Remainder“ erzeugt eine ästhetisch kalte Atmosphäre, die zwischen Perfektion und Entfremdung pendelt. Die Kamera von Lukas Strebel fängt sterile Räume und urbane Gänge mit präziser Klarheit ein, wodurch jede Einstellung ihre eigene Kälte ausstrahlt. Die Musik von Schneider TM ergänzt diese Gestaltung durch atmosphärisch dichte Klangflächen voller metallischer Geräusche und subtiler Wiederholungen. Diese Kombination verstärkt die Entfremdung des Protagonisten und wirkt zugleich wie eine visuelle Inszenierung innerer Leere. Dank dieser stilistischen Konsequenz wirkt der Film visuell stark – jemand mit Gedächtnisverlust scheint tatsächlich seine Wahrnehmung zu rekonstruieren.
Trotz dieser formalen Stärke schwankt die Wirkung von Spannung und narrativer Kohärenz. Die Darbietung von Tom Sturridge wirkt eindringlich und nervös zugleich, doch der konsequente Fokus auf Wiederholung zermürbt gelegentlich den erzählerischen Fluss. In einer zentralen Szene, als der Protagonist eine Bank aus dem Nichts errichten lässt, gelingt das Bild von Realitätsverlust meisterhaft. Später jedoch verliert der Film immer weiter die Struktur, so dass einiges offen bleibt. Diese Mischung kann faszinieren – oder kalt lassen. Für Zuschauer, die bildstarken, anspruchsvollen Autorenfilm mögen, funktioniert „Remainder“ gut. Für alle, die eine klare Erzählung erwarten, bleibt das Werk jedoch unbefriedigend.