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10 Jahre ‘Save Me Chemnitz’ – Brücken bauen für eine bunte Stadt

In den letzten zehn Jahren hat sich einiges auf der Welt getan. Kriege und politische Unruhen haben zu Bewegungen auf der Weltkarte geführt. 2015 gab es die Flüchtlingskrise, die in vielerlei Hinsicht politisch brisant war. Diskussionen und Lösungssuchen gab es auf der einen Seite, menschliches Leid auf der anderen. Das Thema ist natürlich nicht neu und hat schon vor über einem Jahrzehnt die Gesellschaft und Politik interessiert.

Die Ursprünge der Kampagne “Save Me” sind sogar schon im Jahr 2008 zu finden, doch 2013 konnte man sich in Chemnitz darauf einigen, Flüchtlinge sogar über die Pflichtquote hinaus aufzunehmen. Zwei Jahre zuvor wurde die lokale Initiative „Save Me Chemnitz“ gegründet, die somit jetzt ihr 10-jähriges Bestehen feiern kann. Zeit für einen Rückblick und eine erneute Vorstellung des Projekts, bei dem Paten eine wichtige Rolle spielen. Mehr dazu in diesem Artikel.

Jubiläum für das Patenprojekt Save Me Chemnitz

Politisches Engagement kann sich vielfältig ausdrücken. Für die einen führt der Weg direkt in die Politik, um an den Schaltstellen des Landes und der Kommunen ein Mitspracherecht zu haben. Andere hingegen suchen den direkten Weg, um Menschen zu helfen. Flüchtlingen zu helfen, ist eine ehrenwerte Sache, da sie meist ohne Hab und Gut ankommen, traumatisierende Erlebnisse hinter sich haben und dringend auf Unterstützung angewiesen sind. 2008 wurde in Deutschland die Kampagne “Save Me” von Pro Asyl eingeführt, um damit das UNHCR-Resettlement-Programm umzusetzen. Dadurch können schutzbedürftige Flüchtlinge in Drittstaaten umgesiedelt werden, wenn keine sichere Rückkehr ins Herkunftsland möglich ist.

Seit 2011 gibt es auch das lokale Projekt “Save Me Chemnitz”, das auf der bundesweiten Kampagne aufbaut und vom Sächsischen Flüchtlingsrat durchgeführt wird. Innerhalb dieser zehn Jahre konnte man vielen Menschen helfen und 2013 gab es sogar das Chemnitzer Bekenntnis. Bei einer Abstimmung im Stadtrat wurde mit 37 zu 13 Stimmen für die Aufnahme von Resettlement-Flüchtlingen gestimmt, die über die reine Pflichtquote hinausgeht. Das sind wichtige Erfolge, die allerdings auch in den Jahren danach auf die Probe gestellt wurden, da 2015 die europaweite Flüchtlingskrise für erhöhte Zahlen gesorgt hat. Umso wichtiger aber, dass es solche Projekte gibt.

Es ist Hilfe zur Selbsthilfe

Das Herzstück von “Save Me Chemnitz” besteht aus dem Patenprogramm. Die grundlegende Philosophie dahinter ist, dass es eine Begegnung auf Augenhöhe geben soll. Die Integration von Menschen soll als ein langfristiger Prozess verstanden werden und nicht nur als eine kurzfristige Hilfe, die mechanisch abläuft. Ein “Willkommen” zu Anfang ist eben genau das: ein Anfang. Darüber hinaus müssen Geflüchtete integriert werden, was durch Förderung und Forderung geschieht. Das Programm steht allen Geflüchteten in Chemnitz zur Verfügung, was unabhängig vom jeweiligen Status ist – also ob es ein laufendes Asylverfahren gibt, eine Anerkennung oder bereits ein Resettlement.

Es ist Hilfe zur Selbsthilfe

Geflüchtete bekommen Paten an ihre Seite gestellt, die sich bei der Orientierung unterstützen. Dabei geht es aber explizit um die Hilfe zur Selbsthilfe. Die Eigenständigkeit steht im Fokus, damit eine langfristige Integration möglich ist. Es gibt vielfältige Angelegenheiten, die in den Aufgabenbereich der Paten gehören. Dazu gehören Antworten auf Alltagsfragen und die Begleitung zu Ärzten und Behörden. Außerdem kann man gemeinsam Deutsch lernen, was essentiell für eine erfolgreiche Integration ist. Weiter gibt es eine gemeinsame Freizeitgestaltung, die Unterstützung bei der Arbeits- und Wohnungssuche sowie grundsätzlich die Aufgabe, immer ein offenes Ohr zu haben und emotional zu helfen.

Förderung und Engagement

Der Sächsische Flüchtlingsrat ist Träger des Projekts Save Me Chemnitz, doch ohne eine breit angelegte Förderung könnte es nicht bestehen. Unterstützung gibt es durch die Stadt Chemnitz sowie dem “Lokalen Aktionsplan für Demokratie”. Das Bundesprogramm “Demokratie leben” ist ebenfalls eine wichtige Stütze. Darüber hinaus helfen das Förderprogramm “Wir für Sachsen” vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und die Postcode Lotterie. Eingebunden sind auch sehr viele Studierende, Rentner und Menschen aus dem Mittelstand. Eine besondere Verbindung gibt es zur TU Chemnitz, von der viele Studenten als Paten aktiv sind. Wer sich dafür gewappnet sieht, kann selbst Pate oder Patin werden. Entsprechende Informationen gibt es auf der Webseite des Projekts.

Der Sächsische Flüchtlingsrat

Gegründet wurde der Verein bereits 1991 und versteht sich als Interessenvertretung für Asylsuchende und Geflüchtete im Freistaat Sachsen. Dabei ist der Sächsische Flüchtlingsrat konfessionell ungebunden und überparteilich. Auf Bundesebene ist man Teil der Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl. Darüber hinaus arbeitet man auch auf Landesebene mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zusammen.

Man hilft bei Fragen zum Asyl- und Aufenthaltsgesetz, möglichen Leistungskürzungen und Bleiberechtsperspektiven. Auch gibt es Informationen und Beratung zum Arbeitsmarkt. Die Öffentlichkeitsarbeit besteht darin, auf menschenrechtliche Missstände hinzuweisen, die vor allem in Sachsen vorherrschen.

Fazit zu 10 Jahre Save Me Chemnitz

Fazit zu 10 Jahre Save Me Chemnitz Mittlerweile gibt es “Save Me Chemnitz” seit zehn Jahren. In diesem Zeitraum wurde die Arbeit nicht weniger, da internationale Krisen dazu geführt haben, dass die Flüchtlingszahlen steigen und die Integration nicht leichter geworden ist. Dennoch gibt es in Chemnitz viele Menschen, die sich einsetzen und die Flüchtlinge willkommen heißen wollen. Ein wichtiger Baustein des Projekts ist das Patenprogramm, bei dem freiwillige Paten Flüchtlingen helfen können. Schwierigkeiten gibt es auf allen Ebenen. Diese können einfache Dinge im Alltag betreffen oder Fragen zu Gesetzen und Behörden. In jedem Fall hat sich mit dem Projekt gezeigt, dass sich Chemnitz in großen Teilen als bunt, weltoffen und solidarisch versteht.

Miriam Falkner

Ich bin Redakteurin für Lifestyle, Haushalt, Familie und Alltagsthemen und mag das Unaufgeregte. Mich interessieren die Dinge, die bleiben, wenn man das Laute weglässt: wie wir wohnen, was wir essen, was uns bewegt. Kultur bedeutet für mich nicht Distanz, sondern Alltag mit Haltung. Nach meinem Studium der Medien- und Kulturwissenschaften in Potsdam habe ich direkt in der Redaktion begonnen, zuerst im Printbereich, später im Digitalen. Ich schreibe über das Echte, das oft übersehen wird, aber viel über unsere Zeit erzählt. Bei Die Mark Online widme ich mich diesen Themen, die nicht laut sein müssen, um Bedeutung zu haben. Mein Stil ist ehrlich, klar und aufmerksam für Details. Ich glaube daran, dass Texte auch ohne Effekte wirken, wenn sie nah am Leben sind.

"Das Echte findet man oft im Kleinen, nicht im Spektakulären." Miriam Falkner

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