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Antiker Fund in Berlin: Hellenistische Münze in Spandau entdeckt

Wer an antike Münzfunde denkt, hat womöglich Länder wie Griechenland oder Italien im Sinn, womöglich auch die vielen Länder, die einst zum Römischen Reich gehörten. Doch wenn es um den Osten von Deutschland geht, bleibt es in antiker Hinsicht meist eher düster. Dabei gab es auch hier schon viele Funde, wenn auch selten im Kontext mit Rom und noch seltener mit dem antiken Griechenland. Jetzt wurde aber in Berlin eine ganz besondere Bronzemünze aus der Antike gefunden. Ein 13-jähriger Junge aus Spandau ist auf einer Ackerfläche über diesen Fund gestolpert. Die Münze wird auf etwa 2.300 Jahre geschätzt und der Ursprung soll Ilion gewesen sein. Dahinter verbirgt sich nichts weniger als das antike Troja, das im Nordwesten der heutigen Türkei zu finden ist. Das ist natürlich aus archäologischer Sicht ein ganz besonderer Fund. Alle Informationen dazu gibt es in diesem Artikel.

Münzfund auf Ackerfläche in Berlin-Spandau

Auf einer Ackerfläche im Berliner Bezirk Spandau hat ein 13-jähriger Schüler eine wertvolle Münze gefunden. Es handelt sich um eine antike Münze aus Bronze, die rund 12 Millimeter groß und 7 Gramm schwer ist. Geprägt wurde sie wahrscheinlich zwischen 281 und 261 v. Chr. und ist damit der Zeit des Hellenismus zuzuschreiben. Die rund 2.300 Jahre alte Münze stammt aus der Münzstätte Ilion, was dem antiken Troja zuzuschreiben ist und heute im Nordwesten der Türkei zu finden ist. Die Münze zeigt auf der Vorderseite den Kopf der Göttin Athena, die einen korinthischen Helm trägt. Die Rückseite zeigt Athena Ilias mit Kalathos. Das ist ein besonderer Kopfschmuck. Zudem trägt sie einen Speer und eine Spindel.

Troja ist natürlich den meisten Menschen auch abseits historischer Neugier ein Begriff. Mindestens durch das trojanische Pferd. Die Geschichte rund um den trojanischen Krieg ist zunächst der Mythologie zuzuordnen, allerdings weiß man seit dem 19. Jahrhundert, dass es die Stadt tatsächlich gegeben hat. Sie wurde vom deutschen Archäologen Heinrich Schliemann gefunden. Die gefundene Münze stammt aus einer viel späteren Zeit als die Ereignisse von Homers Ilias. Auch die Eroberungszüge Alexander des Großen lagen zur Zeit der Prägung bereits in der Vergangenheit. Schon in der Antike war für die Menschen die Geschichte um Achilles, Odysseus und Troja ein Mythos, was den Fund umso interessanter macht.

Der mögliche Weg der Münze

Während es bereits römische Funde in Berlin gegeben hat, ist es zum ersten Mal, dass ein archäologischer Fund der griechischen Antike auftaucht. Die Experten gehen nicht davon aus, dass es sich nicht um einen Sammler-Verlust handelt, da Spuren von Leichenbrand, Keramikfragmenten und weitere Objekte aus der Bronze- und Eisenzeit auf einen antiken Kontext schließen lassen. Die Münze selbst hat einen geringen Materialwert und hat wohl eher einen symbolischen Wert gehabt. Ausgestellt wird die Münze ab dem 15. April im Archäologie-Haus am Petriplatz in Berlin-Mitte.

Interessant ist dabei natürlich die Frage, wie eine griechische Münze den Weg in den heutigen Berliner Raum gefunden hat. Das ist zwar ungewöhnlich, aber alles andere als unwahrscheinlich. Es gab bereits zur hellenistischen Zeit einen regen Handel zwischen dem Norden und Süden. So gelangte Bernstein aus dem Baltikum in den Mittelmeerraum, auf der anderen Seite wanderten Perlen, südländische Waren und eben auch Münzen nach Norden. Auch die Reisen von Pytheas von Massalia im 4. Jahrhundert v. Chr. zeigen auf, dass es bereits Handel in ganz Europa gegeben hat. Durch die Ausdehnung des späteren Römischen Reichs stieg der Austausch sogar noch weiter an, wenn auch eher im Westen und Süden von Europa.

Antiker Fund in Berlin: das Fazit

Antiker Fund in Berlin: das Fazit Die Klassifizierung als Sensationsfund wird zwar sehr oft verwendet, kann aber in diesem Fall durchaus angewendet werden. Es passiert nicht alle Tage, dass eine antike griechische Münze im Berliner Raum auftaucht, noch dazu aus der antiken Zeit. Ein 13-jähriger Schüler hat die Münze auf einer Ackerfläche in Berlin-Spandau gefunden. Sie stammt aus der antiken Stadt Ilion, die gleichzusetzen ist mit Troja, wenn auch nicht dem Troja aus der berühmten Sage von Homer. Die Münze ist vor allem ein Beleg dafür, wie rege der Handelsverkehr bereits in der Antike war und es viele Kontakte zwischen dem Norden und Süden von Europa gegeben hat. Die Münze kann im Archäologie-Haus am Petriplatz angeschaut werden.

Thomas Wernicke

Ich bin Redakteur für Technik, PC & Internet, Events, Kultur und Zeitgeschehen und beobachte, wie digitale Entwicklungen unser Leben beeinflussen – oft leise, manchmal tiefgreifend. Technik fasziniert mich nicht nur als Werkzeug, sondern als Kraft, die unseren Alltag und unser Denken verändert. In meinen Artikeln verbinde ich technische Themen mit gesellschaftlichen Entwicklungen, die oft komplexer sind, als sie scheinen. Aufgewachsen in Berlin, schätze ich klare Worte, trockenen Humor und ehrliche Perspektiven. Nach meinem Studium des Journalismus in Leipzig habe ich in vielen Redaktionen gearbeitet, von der Tageszeitung bis zum digitalen Newsroom. Technik begleitet mich seit meiner Kindheit und bleibt bis heute ein Motor meiner Neugier. Bei Die Mark Online schreibe ich über das, was sich verändert, oft leise, aber mit Wirkung. Mein Ziel ist es, Entwicklungen verständlich zu erklären, ohne sie zu vereinfachen.

"Wat nützt der schönste Fortschritt, wenn keener mitkommt?" Thomas Wernicke

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