Stromfresser Internet: Was CO²-neutral bedeuten muss
Die meisten Menschen nutzen es mittlerweile ganz selbstverständlich – ob am Smartphone, am Fernseher, am Computer oder den sogenannten Smart-Home-Geräten. Das Internet ist allgegenwärtig geworden, doch was weniger offensichtlich ist, ist der Stromverbrauch, der damit einhergeht. Jede Nutzung des Internets verbraucht Strom und in den letzten Jahrzehnten ist der weltweite Verbrauch enorm angestiegen. Besonders die beiden Länder China und die USA sind ganz vorne mit dabei.
Den geringsten Anteil am weltweiten Stromverbrauch haben Afrika, die pazifischen Länder und der Mittlere Osten. Damit der Stromverbrauch den Klimawandel nicht zusätzlich vorantreibt, braucht es eine CO²-neutrale Energiegewinnung. Oftmals stammt diese aber aus Atomstrom, was zumindest Fragen aufwirft. Mehr Informationen zu diesem Themenkomplex gibt es in diesem Artikel.
So viel Strom braucht das Internet
Jeder Aufruf einer Seite, jedes Bild, jedes Video, jeder Film und jede kleine Information verbraucht Strom. Die Daten liegen auf Servern und werden auf Endgeräten abgerufen. Die Datenflut hat in den letzten beiden Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. Angebote wie Streaming oder künstliche Intelligenz haben für ordentliche Schübe gesorgt. Der aktuelle digitale Energiebedarf für die ganze Welt liegt ungefähr bei 21.000 Terawattstunden (TWh). Das entspricht ungefähr einer Tonne CO² pro Internetnutzer. Mittlerweile kommt das Internet in dieser Hinsicht fast auf die Mengen, die durch den Flugverkehr verursacht werden. 2024 waren in Deutschland 2.000 deutsche Rechenzentren für 20 Milliarden kWh Strom verantwortlich, was mehr ist als der gesamte Jahresverbrauch von Berlin.
Was sorgt für diese großen Zahlen, die in den nächsten Jahren noch ansteigen werden? Suchanfragen müssen genannt werden. Zwar scheint eine kleine Suchanfrage von einem Benutzer nicht viel, doch etwa 0,3 Wh, die bei einer Google-Suche verbraucht werden, summieren sich, wenn es bis zu 6 Millionen Anfragen weltweit pro Minute sind. KI-Anfragen verbrauchen dabei sogar noch mehr Strom. Es gibt aber auch an sich Schwergewichte, wozu Streaming und auch Kryptowährungen gehören. 50 kWh fallen bei rund 1-2 Stunden tägliches Streaming pro Jahr an. Auch die Nutzung von Mobilfunk verbraucht Strom, durch den neuen Standard 5G sogar noch mehr.
Stromverbrauch in den Rechenzentren
Auf Servern werden Daten gespeichert, abgerufen und an die jeweiligen Endgeräte geschickt. Interessanterweise sorgen diese Vorgänge aber nicht für den größten Energieverbrauch. Dieser entsteht durch die Kühlung. Rund 40 % des Energiebedarfs in Rechenzentren entfällt auf die Kühlung der jeweiligen Anlagen. Jeder weiß, dass ein Computer gekühlt werden muss, was bei Hochleistungs-Servern erst recht der Fall ist.
Mittlerweile wird die Serverabwärme auch schon zum Heizen genutzt, ebenso werden andere Lösungen gesucht. In Norwegen gibt es ein Rechenzentrum, das mit Fjordwasser gekühlt wird. Anbieter der Rechenzentren aber auch Plattformen wie Amazon Prime oder Netflix versuchen immer häufiger, auf erneuerbare Energien umzusteigen, um den großen Energiebedarf zu decken, ohne für mehr CO²-Ausstoß zu sorgen.
CO²-neutral ohne Atomstrom
Die Erderwärmung treibt den Klimawandel voran und wird selbst hauptsächlich durch Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO²) verursacht. Auf der einen Seite soll der Klimawandel gebremst werden, auf der anderen Seite steigt der Energiebedarf massiv. Das sorgt für Probleme, die erst gelöst werden müssen. Wie gelingt es, den hohen Bedarf zu decken, gleichzeitig aber nicht den Ausstoß von CO² zu erhöhen? Mit dieser Frage müssen sich vor allem die Unternehmen beschäftigen, wenn natürlich auch Verbraucher ihren Anteil haben. Neben der Steigerung der Energieeffizienz und der Nutzung von Abwärme geht es vor allem um die Gewinnung sauberer Energie, also der Stromproduktion, bei der kein Kohlendioxid ausgestoßen wird.

Erneuerbare Energien werden immer weiter ausgebaut, was gut ist, aber in Teilen, zumindest kurzfristig, an seine Grenzen stößt. Dazu zählen unter anderem Windenergie, Solarenergie, Wasserkraft, Bioenergie und Geothermie. Und manche Stimmen sagen auch, dass Atomkraft eine saubere Energiequelle ist. Besonders in den USA und Frankreich setzt man daher weiterhin in großem Maße auf Atomstrom, der in Deutschland seit 2023 nicht mehr produziert wird. Atomstrom hat tatsächlich zwei Vorteile: Zum einen ist die Gewinnung sauber, also ohne Ausstoß von CO², zum anderen kann der Strom konstant produziert werden. Eigentlich also ideal für Rechenzentren, die rund um die Uhr laufen müssen.
Die Vorteile des Atomstroms sind kaum wegzudiskutieren, allerdings gibt es eben auch die Nachteile, die damit einhergehen, weshalb diese Lösung wohl langfristig hinsichtlich des hohen Energieverbrauchs nicht die beste Idee ist. Atomkraft hinterlässt leider hochradioaktiven Müll und weiterhin ist die sichere Endlagerung für Jahrtausende nicht geklärt. In Deutschland wird zwar kein Atomstrom mehr produziert, doch die Suche nach einem Endlager dauert auch weiterhin an. Außerdem birgt Atomstrom die Gefahr für katastrophale Unfälle, wenn sich auch die Sicherheitstechnologien verbessert haben. Nachhaltig sieht entsprechend anders aus. Viele große Techunternehmen setzen einerseits auf Atomstrom, versuchen aber andererseits erneuerbare Energien zu nutzen.
Eigenen Verbrauch senken
Wie so oft wird es am Ende des Tages alle Säulen der Gesellschaft brauchen, damit ein Umschwung gelingen kann. Jeder einzelne kann seinen Teil dazu beitragen. In diesem Fall geht es konkret darum, seinen digitalen Energiebedarf zu senken. Einfach geht das beispielsweise dadurch, dass man die Auflösung von Filmen und Serien reduziert. 4K verbraucht wesentlich mehr Datenmengen und damit auch Strom als HD. Eine Möglichkeit ist auch, dass man sich Musik herunterlädt, die man häufiger hört. Das ist ganz legal über Spotify möglich. Generell kann man natürlich auch seine digitale Zeit am Smartphone, Computer oder Fernseher reduzieren, was grundsätzlich immer eine gute Idee ist. Ferner gibt es auch Anbieter, die bewusst auf Ökostrom setzen. „Ecosia“ ist eine Suchmaschine, die ihre Werbeeinnahmen zum Pflanzen von Bäumen verwendet.
Fazit: Wie grün kann das Internet wirklich werden?

Erneuerbare Energien sind die beste Möglichkeit, wenn auch noch viel Luft nach oben ist. Gerade in Frankreich und den USA setzen viele Unternehmen auf Atomstrom, der zwar CO²-frei produziert werden kann, letztendlich aber zwei große Nachteile mit sich bringt. Unterm Strich sind natürlich auch die Verbraucher gefragt, die ihren Teil dazu beitragen können, dass der digitale Energieverbrauch nicht weiter unkontrolliert ansteigt.