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Netzsperren gegen illegale Glücksspielseiten ab Mai: Was kommt auf den deutschen Online-Markt zu?

Am 19. März 2025 kam das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zu einer Entscheidung, die die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) zuvor kaum für möglich gehalten hat. Der aktuelle Glücksspielstaatsvertrag bietet keine Grundlage dafür, Access-Provider wie Telekom oder Vodafone dazu zu verpflichten, Netzsperren gegen illegale Glücksspielseiten einzurichten. Paragraph 9 des Vertrags ändere nach Ansicht des Gerichts nichts daran, dass es sich bei Internet-Dienstleistern reine DNS-Sperren seien. Die Behörde stand mit leeren Händen da.

Ab Mai 2026 soll alles anders sein. Die Länder haben eine Novelle des Glücksspielstaatsvertrags auf den Weg gebracht, die genau diese Lücke schließt. Demnach sind Provider künftig verpflichtet, DNS-Sperren gegen unlizenzierte Glücksspielseiten einzurichten, wenn die GGL eine entsprechende Anordnung erlässt. Die EU-Stillhaltefrist ist ohne Einwände aus Brüssel abgelaufen.

Für Spieler in Deutschland ändert sich damit die Grenze zwischen erreichbar und gesperrt. Wer bis dato eine in Malta oder Curacao lizenzierte Plattform bespielt hat, wird zukünftig auf eine Hinweis-Seite der GGL weitergeleitet. Anbieter, die über eine Lizenz der GGL verfügen, bleiben davon unberührt. Sie sind ohnehin an strengere Auflagen gebunden, zu denen unter anderem Identitätsprüfungen, das bundesweite Sperrsystem OASIS sowie ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von 1.000 Euro im Monat gehören. Auch bei Bonusaktionen gilt: Bevor ein Anbieter einem Spieler Online Casino Boni anbieten darf, muss ein OASIS-Abgleich erfolgen, der gesperrte Personen vom Bonuserhalt ausschließt. Der regulierte Markt und der Schwarzmarkt trennen sich mit den Netzsperren nun auch technisch.

So funktionieren die DNS-Sperren technisch

Das Domain Name System (DNS) übersetzt Internetadressen in IP-Adressen. Gibt ein Nutzer eine Webadresse in den Browser ein, fragt sein Gerät den DNS-Server des Providers nach der zugehörigen IP. Bei einer DNS-Sperre liefert der Server nicht die originale IP, sondern leitet auf eine Informationsseite der GGL weiter.

Der Aufwand für die großen Provider ist gering. Die GGL pflegt eine Sperrliste, die regelmäßig aktualisiert wird. Die Provider setzen diese Liste auf ihren DNS-Servern um. Kleine regionale Netzbetreiber müssen sich organisatorisch darauf einstellen, was mehr Abstimmungen mit den Landesbehörden bedeutet.

Was die Novelle nicht regelt, ist mindestens genauso wichtig. Das IP-Blocking, also die Sperrung ganzer Server-Adressen, ist bewusst nicht Teil des Vertrags. Unter einer IP-Adresse werden oft mehrere Webseiten gleichzeitig gehostet. Ein IP-Block würde demnach auch Angebote treffen, die mit den zu sperrenden Seiten nichts zu tun haben. DNS-Sperren sind weniger umfassend als IP-Sperren, gelten jedoch auch als leichter zu umgehen.

Vier Jahre ohne wirksames Mittel gegen den Schwarzmarkt

Schon bei ihrer Gründung war die GGL problembehaftet. Sie konnte zwar Anordnungen gegen Betreibern illegaler Seiten erlassen, doch viele dieser Betroffenen befanden sich im Ausland und nahmen die Bescheide schlichtweg nicht zur Kenntnis. Ab 2022 versuchte die Behörde daraufhin, Access-Provider freiwillig zur Umsetzung von Sperrungen zu bewegen. Sowohl Telekom als auch Vodafone lehnten dies ab.

Der wachsende Glücksspiel-Schwarzmarkt

Die Niederlagen in Gerichtsverfahren häuften sich. Bereits Ende 2022 kamen Verwaltungsgerichte zu dem Schluss, dass Access-Provider nach dem Telemediengesetz nicht für die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben verantwortlich seien. Im März 2025 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht diese Auffassung dann endgültig.

Derweil wuchs der Schwarzmarkt astronomisch. Eine im März 2026 veröffentlichte Studie des Blockchain Research Lab, im Auftrag der GGL, beziffert über den gesamten Online-Glücksspielmarkt, den Anteil unregulierter Anbietenden in diesem Bereich auf 22,97 Prozent. Die geschätzten Bruttospielerträge nicht lizenzierter Anbieter beziffert die Studie auf 547 Millionen Euro. Noch im Juni 2024 hatte die GGL den Schwarzmarktanteil auf vier Prozent geschätzt. Dass die Behörde ihre Zahlen in nicht einmal zwei Jahren derart drastisch korrigiert, verstärkt die Kritik.

2025 kam den Innenministern der Durchbruch. Sie waren sich einig, dass die bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung des Schwarzmarktes nicht ausreichen. Die Novelle wurde in Gang gesetzt, von der EU-Kommission notifiziert und nach Ablauf der Stillhaltefrist ratifiziert.

Wie erkennt man seriöse Angebote?

Stand April 2026 verfügen 95 Online-Spielotheken über eine gültige GGL-Lizenz für virtuelle Automatenspiele. Diese Anbieter sind an das Spielersperrsystem OASIS angebunden. Das vom Regierungspräsidium Darmstadt geführte System verarbeitete im Jahr 2025 mehr als 5,2 Milliarden Abfragen und verzeichnete 367.000 aktive Spielersperren. Vor jeder Spielteilnahme, vor dem Versand personalisierter Werbung und vor der Vergabe von Bonusangeboten muss ein Abgleich mit der Sperrdatei stattfinden.

Sicherheit & Spielerschutz

Lizenzierte Plattformen arbeiten unter Bedingungen, die den Spielraum bewusst einschränken:

  • Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, anbieterübergreifend kontrolliert über das Kontrollsystem LUGAS
  • 5-Sekunden-Regel bei virtuellen Automaten, die einen Mindestabstand zwischen zwei Spielrunden vorschreibt
  • Pflicht zur Identitätsprüfung vor der ersten Einzahlung
  • Verbot von parallelen Spielsitzungen bei mehreren Anbietern

Unlizenzierte Plattformen operieren ohne diese Vorgaben. Sie bieten höhere Auszahlungsquoten, weil sie keine deutsche Umsatzsteuer von 5,3 Prozent auf Einsätze abführen. Bei lizenzierten Anbietern drückt diese Steuer die Auszahlungsquoten auf 92 bis 93 Prozent. Offshore-Seiten erreichen 96 Prozent und mehr. Häufig bieten sie auch Krypto-Zahlungen an, um herkömmliche Payment-Gateways zu umgehen. Dieser Unterschied ist einer der Hauptgründe, warum Spieler in den Schwarzmarkt abwandern. Die Netzsperren können dieses strukturelle Ungleichgewicht nicht beheben. Sie können nur den Zugang erschweren.

Was kann man von Dänemark und Schweden lernen?

Dänemark setzt DNS-Sperren gegen unlizenzierte Glücksspielanbieter seit über einem Jahrzehnt ein. Die dänische Glücksspielbehörde Spillemyndigheden erwirkt gerichtliche Sperranordnungen und aktualisiert die Sperrlisten regelmäßig. Die Kanalisierungsrate, also der Anteil der Spieler im lizenzierten Markt, liegt bei 91 Prozent. Schweden erreicht 85 Prozent, wobei die Werte je nach Segment stark variieren. Bei Sportwetten liegen sie bei 92 bis 96 Prozent, bei Online-Casinos nur bei 72 bis 82 Prozent.

Andre Nowak

Ich bin Redakteur für Gaming, Filme, PC und Internet, Kryptowährungen und seit über 30 Jahren täglich mit Technik und digitalen Medien verbunden. Schon in den Tagen von Vobis und röhrenden Lüftern habe ich Rechner auseinandergebaut und Netzwerkprobleme gelöst. Meine kaufmännische Ausbildung und langjährige Erfahrung in Systembetreuung und Hardwarefragen helfen mir, auch komplexe Themen verständlich zu vermitteln. Besonders faszinieren mich Browsergames, digitale Märkte und Filme mit Tempo und Spannung. Bei Die Mark Online schreibe ich über aktuelle Entwicklungen, technische Hintergründe und Trends, die unsere digitale Welt formen. Ich bleibe neugierig, teste gern neue Tools und spiele mit Begeisterung. Kino & Filme sind für mich keine Ablenkung, sondern Orte zum Eintauchen. Mein Ziel ist es, Wissen greifbar zu machen und mit echtem Interesse zu teilen.

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