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Torffrei gärtnern ohne Frust: Was wirklich funktioniert

Moore gehören weltweit zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern und binden mehr CO₂ als sämtliche Wälder zusammen. Wer Torf für Blumenerde abbaut, muss die Feuchtgebiete trockenlegen. Dadurch wird über Jahrtausende gespeicherter Kohlenstoff als klimaschädliches Treibhausgas freigesetzt. Die Bundesregierung verfolgt mit ihrer Torfminderungsstrategie das Ziel, den Torfeinsatz im Hobbybereich bis 2026 vollständig zu beenden.

Der Umstieg auf torffreie Substrate gelingt problemlos, wenn Hobbygärtner einige Besonderheiten bei Bewässerung sowie Nährstoffversorgung beachten. Inzwischen bietet der Handel über 550 torffreie Produkte an. Hier ersetzen nachwachsende Rohstoffe wie Holzfasern, Rindenhumus oder Kompost den fossilen Torf. Mit den richtigen Tipps erzielt man damit ebenso gute Ergebnisse wie mit herkömmlicher Erde.

Warum torffreie Erde die Umwelt schützt

Torf entsteht in Mooren über Jahrtausende aus abgestorbenen Pflanzenresten, die unter Sauerstoffmangel nur unvollständig zersetzt werden. Pro Jahr wächst die Torfschicht lediglich um etwa einen Millimeter, weshalb der Abbau einer Zerstörung gleichkommt, von der sich die Gebiete kaum erholen können. Moore beherbergen zahlreiche seltene Tier- sowie Pflanzenarten wie die Bekassine oder den Hochmoor-Bläuling. Deren Lebensraum gehen durch den Torfabbau unwiederbringlich verloren.

Beim Abbau sowie der gärtnerischen Nutzung wird der zu etwa 50 Prozent aus Kohlenstoff bestehende Torf mineralisiert und setzt kontinuierlich CO₂ frei. Allein in Deutschland landen jährlich rund zweieinhalb Millionen Kubikmeter Torf in den Beeten von Hobbygärtnern. Würden Verbraucher komplett auf torffreie Erden umstellen, ließen sich pro Jahr mindestens 400.000 Tonnen CO₂ einsparen. Das entspricht einem bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz.

Diese Torfersatzstoffe stecken in modernen Substraten

Holzfasern zählen zu den häufigsten Torfersatzstoffen und entstehen als Nebenprodukt in der Holzindustrie. Sie sorgen für eine luftdurchlässige, lockere Struktur mit gutem Wasserhaltevermögen, binden allerdings mehr Stickstoff als Torf. Rindenhumus gewinnt man aus fermentierter Nadelholzrinde. Es macht in vielen torffreien Erden etwa die Hälfte des Volumens aus, da er Wasser sowie Nährstoffe speichert und gleichmäßig an die Pflanzen abgibt.

Grünkompost aus der Biotonne liefert wichtige Nährstoffe wie Kalium oder Phosphor. Man darf es aber nur in Anteilen von 20 bis 40 Prozent beimischen, da höhere Konzentrationen zu Salzanreicherungen führen. Kokosfasern besitzen ähnliche Eigenschaften wie Torf, haben jedoch wegen der langen Transportwege aus Asien oder Südamerika eine schlechte Ökobilanz. Tonminerale, Perlite oder Lavagranulat werden häufig als Zusätze verwendet, um die Feuchtigkeitsregulierung zu verbessern sowie Nährstoffe zu speichern.

Bewässerung anpassen – der Schlüssel zum Erfolg

Torffreie Erden besitzen aufgrund ihrer gröberen Struktur ein geringeres Wasserspeichervermögen als torfhaltige Substrate. Die Oberfläche trocknet deutlich schneller aus, während tiefere Schichten noch feucht sein können, was leicht zu Fehleinschätzungen beim Gießbedarf führt. Bevor Wasser nachgegeben wird, sollte man mit dem Finger mindestens zwei Zentimeter tief in die Erde greifen, um den tatsächlichen Feuchtigkeitsgehalt zu prüfen.

Bewässerung anpassen

Beim Gießen empfiehlt sich die Regel, öfter kleine Mengen zu verabreichen statt seltener große Wassergaben durchzuführen. Große Wassermengen rauschen durch die offenporige Struktur hindurch, ohne ausreichende Speicherung, wobei wertvolle Nährstoffe ausgeschwemmt werden. Die komplette Erdoberfläche sollte gleichmäßig befeuchtet werden, damit keine trockenen Stellen verbleiben, während Wasserspeicherkästen oder Tongranulat als Drainageschicht helfen, Staunässe zu vermeiden.

Richtig düngen mit torffreier Erde

Die meisten torffreien Substrate enthalten einen Startdünger, der die Pflanzen etwa vier Wochen lang versorgt. Danach muss regelmäßiger nachgedüngt werden als bei torfhaltigen Erden, da die organischen Bestandteile beim Verrottungsprozess selbst Nährstoffe verbrauchen. Besonders Holzfasern binden viel Stickstoff, weshalb eine stickstoffbetonte Düngung erforderlich ist, sobald die Pflanzen eingewurzelt sind.

Organische Flüssigdünger, die sich über das Gießwasser verabreichen lassen, eignen sich besonders gut für die kontinuierliche Nährstoffversorgung in kleinen Dosen. Alternativ lassen sich Langzeitdünger wie Hornspäne beim Pflanzen unterarbeiten oder Kompost beimischen, was eine gleichmäßige Nährstofffreisetzung gewährleistet. Bei Substratmischungen mit hohem Kompostanteil kann der gesamte Stickstoff bereits zu Beginn mineralisiert vorliegen, weshalb später keine weitere Freisetzung erfolgt und regelmäßiges Nachdüngen notwendig wird.

Torffreie Substrate selbst herstellen

Die Herstellung eigener Gartenerde gelingt mit einer einfachen Grundmischung aus je einem Drittel lockerer Gartenerde, reifem Kompost sowie Sand mittlerer Körnung. Diese Bestandteile werden gesiebt und gründlich vermengt, wobei die Erde von Maulwurfshügeln besonders hochwertig ist. Für Starkzehrer wie Tomaten oder Kohl lassen sich zwei Handvoll Hornspäne sowie Urgesteinsmehl unterarbeiten, was zusätzlichen Stickstoff sowie Mineralien liefert.

Torffreie Substrate selbst herstellen

Anzuchterde benötigt eine nährstoffärmere Zusammensetzung, damit Keimlinge kräftige Wurzeln entwickeln statt nur in die Höhe zu wachsen. Hierfür wird ein Viertel der Grundmischung mit einem Viertel Kompost sowie zwei Vierteln Sand kombiniert und fein gesiebt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann die Mischung im Backofen bei 120 Grad für 45 Minuten sterilisieren, um Unkrautsamen, Pilzsporen sowie Schädlinge abzutöten, wobei die Erde danach vollständig auskühlen muss.

Diese Pflanzen gedeihen besonders gut torffrei

Balkonblumen wie Geranien, Petunien oder Tagetes kommen hervorragend mit torffreien Substraten zurecht, sofern eine ausreichende Bewässerung sowie Düngung erfolgt. Auch Gemüsepflanzen wie Tomaten, Salat oder Kräuter wachsen problemlos in Kompost-Holzfaser-Mischungen, benötigen aber bei Hochbeeten möglicherweise häufigeres Nachfüllen, da sich die Erde stärker setzt. Fuchsien, Chrysanthemen oder Begonien blühen in Rindenhumusmischungen üppig, während mediterrane Kräuter wie Lavendel, Thymian oder Rosmarin nährstoffarme, sandige Substrate bevorzugen.

Lediglich einige Moorbeetpflanzen, die sehr saure Böden benötigen, stellen höhere Ansprüche. Rhododendren, Azaleen oder Heidelbeeren gedeihen am besten in speziellen Morbeeterden mit niedrigem pH-Wert, die häufig noch geringe Torfanteile enthalten. Für die meisten anderen Gartenpflanzen sind jedoch torffreie Universalerden völlig ausreichend, wobei Tests der Stiftung Warentest zeigen, dass hochwertige torffreie Produkte beim Pflanzenwachstum kaum schlechter abschneiden als torfhaltige Varianten.

Fazit zum torffreien Gärtnern ohne Frust

Fazit zum torffreien Gärtnern ohne Frust Der Umstieg auf torffreie Substrate schützt wertvolle Moorlandschaften sowie das Klima. Es gelingt im Hobbygarten mühelos mit einigen Anpassungen bei der Pflege. Während torffreie Erden häufigeres Gießen sowie Düngen erfordern, überzeugen sie durch bessere Standfestigkeit, lebendiges Bodenleben sowie die Möglichkeit zur regionalen Produktion.

Wer beim Kauf auf die Kennzeichnung „torffrei“ achtet, regelmäßig die Feuchtigkeit kontrolliert und in kleineren Dosen nachdüngt, erzielt ebenso prächtige Ergebnisse wie mit konventionellen Erden. Allerdings mit deutlich besserem Gewissen für Umwelt sowie Klima.

Miriam Falkner

Ich bin Redakteurin für Lifestyle, Haushalt, Familie und Alltagsthemen und mag das Unaufgeregte. Mich interessieren die Dinge, die bleiben, wenn man das Laute weglässt: wie wir wohnen, was wir essen, was uns bewegt. Kultur bedeutet für mich nicht Distanz, sondern Alltag mit Haltung. Nach meinem Studium der Medien- und Kulturwissenschaften in Potsdam habe ich direkt in der Redaktion begonnen, zuerst im Printbereich, später im Digitalen. Ich schreibe über das Echte, das oft übersehen wird, aber viel über unsere Zeit erzählt. Bei Die Mark Online widme ich mich diesen Themen, die nicht laut sein müssen, um Bedeutung zu haben. Mein Stil ist ehrlich, klar und aufmerksam für Details. Ich glaube daran, dass Texte auch ohne Effekte wirken, wenn sie nah am Leben sind.

"Das Echte findet man oft im Kleinen, nicht im Spektakulären." Miriam Falkner

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