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Deutschland als WM-Kandidat?

Drei Tage bevor für Deutschland überhaupt ein Ball rollt, steht das Urteil schon fest. Wenn am 11. Juni im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt das Eröffnungsspiel angepfiffen wird, reist die Elf von Bundestrainer Julian Nagelsmann mit einem unbequemen Stempel an: In den Notierungen der Buchmacher rangiert sie nur auf Rang sieben der Titelkandidaten, ein gutes Stück hinter Spanien, Frankreich und England.

Der eigentliche Auftakt folgt am 14. Juni in Houston gegen den WM-Neuling Curaçao, mitten in einem über die USA, Kanada und Mexiko gespannten Mammutturnier mit 48 Mannschaften und 104 Partien, dem die Wettbörsen einen deutschen Triumph kaum abnehmen.

Ein Markt, der dem DFB-Team wenig zutraut

Diese Skepsis lässt sich in Zahlen gießen, und sie beginnt beim Markt selbst, der seinerseits gnadenlos seziert wird. Spezialisierte Vergleichsportale nehmen die Anbieter hinter den Quoten auseinander und sortieren sie nach Kriterien, die von der Quotenhöhe über die Breite des Wettangebots bis zur Zuverlässigkeit der Abwicklung reichen. Übersichten zu WM 2026 Wetten bündeln genau diese Vergleichsarbeit für das anstehende Turnier und vermessen denselben Markt, dessen kollektive Einschätzung die DFB-Elf eben nur auf Rang sieben führt. Eine Lesart, die der vermeintlich starke Kader bislang nicht widerlegt hat.

Aus der Luft gegriffen sind solche Notierungen nicht. Hinter jeder Quote sitzt ein Anbieter, der jedes Szenario durchrechnet und seine Zahlen nachzieht, sobald Form, Verletzungen oder die Wettströme kippen. Das gebündelte Urteil dieses Marktes parkt Deutschland derzeit hinter dem europäischen Spitzentrio, und das mit einer Hartnäckigkeit, die stutzig macht.

In nackten Zahlen wird die Zurückhaltung greifbar. Spanien, der amtierende Europameister, führt die Weltmeister-Quoten mit Werten um 5,75 an, dahinter reihen sich Frankreich und England mit ebenfalls einstelligen Notierungen ein. Deutschland dagegen wird um 15,0 gehandelt, was rechnerisch einer Titelchance von knapp sieben Prozent gleichkommt; selbst der amtierende Weltmeister Argentinien und Nations-League-Sieger Portugal stehen in den Quoten vor der DFB-Auswahl. Die Datenmodelle von Opta landen bei einer ähnlichen Größenordnung und schieben die deutsche Mannschaft klar in die Verfolgerrolle, ein paar Längen hinter dem engsten Favoritenkreis.

Ein Kader, der nicht nach Außenseiter aussieht

Dabei liest sich das Personal alles andere als zweitklassig. Als Nagelsmann am DFB-Campus sein endgültiges Aufgebot verkündete, führte Kapitän Joshua Kimmich vor seiner dritten WM eine Mannschaft an, in der mit Florian Wirtz und dem genesenen Jamal Musiala zwei der teuersten deutschen Fußballer aller Zeiten stehen. Dass ausgerechnet Manuel Neuer wieder das Tor hütet, fast zwei Jahre nach seinem bis dato letzten Auftritt bei der Heim-EM, hätte vor einem Jahr kaum jemand gewettet; trotzdem verleiht seine Rückkehr der Abwehr eine Aura, die so schnell kein Konkurrent kopiert.

Ein Kader, der nicht nach Außenseiter aussieht

Den Optimismus dämpfen jedoch handfeste Bedenken. Musiala kommt erst aus monatelanger Verletzung zurück, und ob der Bayern-Profi seine alte Leichtigkeit rechtzeitig wiederfindet, bezweifeln sogar wohlmeinende Stimmen, die ihn fürs Erste lieber auf der Bank sähen. Dazu der bittere Schlag kurz vor dem Anpfiff: Shootingstar Lennart Karl zog sich im Trainingslager einen Muskelbündelriss zu und verpasst das Turnier. Wer eine Mannschaft nüchtern taxiert, preist solche Fragezeichen ein, und genau das erledigen die Quotenmacher mit unsentimentaler Routine.

Die Gruppe E ist Pflicht, aber kein Selbstläufer

In der eigenen Vorrunde immerhin fällt das Votum eindeutig aus. Die Spiele gegen Curaçao, den dreimaligen Afrikameister Elfenbeinküste und Ecuador, deren Anstoßzeiten und Spielorte längst feststehen, sollten den Sprung in die K.-o.-Runde absichern; die niedrigste deutsche Notierung der gesamten Gruppenphase liegt bei rund 2,80 und gilt den vollen neun Punkten. Manche Fans werden bei den beiden späteren Anstößen um 22 Uhr deutscher Zeit allerdings Sitzfleisch beweisen müssen. Bequem ist die Gruppe nämlich nicht: Die Ivorer bringen rohe Wucht mit, Ecuador hat eine knochenharte Südamerika-Qualifikation überstanden, und einzelne Modelle halten sogar einen zweiten Platz für möglich, der Deutschland früh einen Brocken bescheren würde.

Teurer Kader, magere Quote

Womit die spannendste Frage dieses Sommers im Raum steht: Warum traut man einem so teuer bewerteten Team so wenig zu? Gemessen am Marktwert stellt Deutschland eines der wertvollsten Aufgebote des ganzen Turniers, je nach Erhebung sogar das viertteuerste. Genau dieser Widerspruch zwischen Kaderwert und Titelchance ist die eigentliche Geschichte der deutschen WM, und er sagt einiges darüber aus, wie der moderne Fußball Erwartungen in Preise übersetzt. Ein hoher Marktwert ist eben noch keine Turnierform, und ein Ensemble teurer Namen ist noch lange keine eingespielte Mannschaft.

Teurer Kader, magere Quote

Diese Bewertungen sind ohnehin schon lange mehr als sportliche Kennziffern. Sie gehören zu einer Ökonomie, in der Spitzensportler zur eigenen Marke werden und ihr Wert sich aus Leistung, Vermarktung und schierer Strahlkraft zugleich speist. Bei einem Wirtz oder einem Musiala verschmelzen Ablösefantasien, Werbeverträge und mediale Reichweite zu einer einzigen Summe, die mit der nackten Trefferquote nur noch am Rand zu tun hat. Das erklärt auch, weshalb zwei Kader von ähnlichem Wert in den Quoten meilenweit auseinanderliegen können. Bezahlt werden eben nicht Tore, sondern Erwartungen.

Wem man am Ende glauben sollte

Wem man am Ende glauben sollte So schließt sich der Kreis zur eigentlichen Reibung. Eine Auswahl, die zu den wertvollsten der Welt zählt, geht als Außenseiter auf Titeljagd, weil ihr ausgerechnet die Konstanz der ganz Großen abgesprochen wird, während Sportdirektor Rudi Völler im Trainingslager längst verkündet hat, seine Mannschaft werde schwer zu schlagen sein. Nach dem 4:0 gegen Finnland und dem 2:1 gegen Gastgeber USA klingt das nicht einmal vermessen. Sie reist also mit Rückenwind und mit der Bürde zugleich, ausgerechnet jenen Zahlen widersprechen zu müssen, die ihr Geschäft beherrschen. Bleibt vor dem Anpfiff die unbequeme Frage, wem man am Ende mehr glauben sollte: den Rechnern der Buchmacher oder der Elf, die sie Lügen strafen will.

Andre Nowak

Ich bin Redakteur für Gaming, Filme, PC und Internet, Kryptowährungen und seit über 30 Jahren täglich mit Technik und digitalen Medien verbunden. Schon in den Tagen von Vobis und röhrenden Lüftern habe ich Rechner auseinandergebaut und Netzwerkprobleme gelöst. Meine kaufmännische Ausbildung und langjährige Erfahrung in Systembetreuung und Hardwarefragen helfen mir, auch komplexe Themen verständlich zu vermitteln. Besonders faszinieren mich Browsergames, digitale Märkte und Filme mit Tempo und Spannung. Bei Die Mark Online schreibe ich über aktuelle Entwicklungen, technische Hintergründe und Trends, die unsere digitale Welt formen. Ich bleibe neugierig, teste gern neue Tools und spiele mit Begeisterung. Kino & Filme sind für mich keine Ablenkung, sondern Orte zum Eintauchen. Mein Ziel ist es, Wissen greifbar zu machen und mit echtem Interesse zu teilen.

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