Die Mark Online | das Magazin mit Ratgebern, News und mehr

Gesundheit

iCAN-Programm – Gesundheits-App für depressive Nachsorge

Eine dauerhafte Niedergeschlagenheit gepaart mit Verlust von Freude und Interessen kann auf eine Depression hindeuten. Die Erkrankung wirkt sich psychisch, physisch und kognitiv aus und kann selten einfach so im Alleingang besiegt werden. Umso wichtiger kann eine stationäre Behandlung sein, bei der man mehrere Wochen in einer Klinik von Fachleuten betreut wird. Mittlerweile hat sich die Versorgung in dieser Hinsicht verbessert.

Schlechter sieht es mit der Nachsorge aus, wenn die Zeit nach dem Klinikaufenthalt ansteht. Das gilt vor allem auch für Jugendliche und junge Erwachsene. Daher wurde im iCAN-Programm eine App entwickelt, die in dieser Phase unterstützen soll. Hinter dem Akronym verbirgt sich die „intelligente, Chatbot-assistierte ambulante Nachsorge“. Aktuell läuft dazu eine Wirksamkeitsstudie, die in Zusammenarbeit mit 31 deutschen Kliniken entsteht. Alle Informationen zur iCAN-Studie, dem Programm und der App gibt es in diesem Artikel.

iCAN-App – Nachsorge bei Depressionen

Unter Jugendlichen gehören Depressionen weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Aufgrund hormoneller Veränderungen und sozialer sowie biografischer Gegebenheiten gibt es viele Umbrüche, die psychisch sehr schwer zu verarbeiten sind. Depressionen können die Folge sein, die oftmals durch stationäre Aufenthalte behandelt werden. Doch eine große Versorgungslücke herrscht nach der Entlassung, wenn es zurück in den Alltag geht. Für Betroffene entsteht oftmals ein Schock, wenn sie aus dem geschützten Klinik-Umfeld in die alltägliche Welt zurückkehren. Genau dafür wurde die iCAN-App entwickelt, womit eine „intelligente, Chatbot-assistierte ambulante Nachsorge“ ermöglicht werden soll. Die App soll dabei helfen, dass Jugendliche nicht auf sich alleine gestellt sind.

Entwickelt wurde die App an der Universität Greifswald und wird derzeit getestet. Unter anderem fragt die App nach Stimmungen, also ob die Jugendlichen beispielsweise oft negativ denken. Auf die Antworten reagiert die iCAN App mit individuellen Vorschlägen, beispielsweise werden Treffen mit Freunden vorgeschlagen, Spaziergänge oder auch Kochen als ablenkende Tätigkeit. Zudem wurde der Chatbot Quinn integriert, der auch grafisch dargestellt wird. Mit Quinn können einfache Gespräche geführt werden, die sich speziell an Jugendliche richten. Von den Machern wird allerdings klar betont, dass diese App keinen echten Therapeuten ersetzen kann. Sie ist als Zusatzangebot gedacht, gleichzeitig unterstreicht sie aber auch den digitalen Paradigmenwechsel in der Medizin.

Wirksamkeitsstudie wird durchgeführt

Eine App für solche Zwecke kann nicht einfach so herausgegeben werden, weshalb derzeit eine wissenschaftliche Wirksamkeitsstudie durchgeführt wird. Diese hat im Herbst 2023 begonnen und wird über die nächsten vier Jahre laufen. Der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses fördert diese Studie mit 3,5 Millionen Euro, die von der Universität Greifswald geleitet wird. Zufällig werden Studienteilnehmer ausgewählt. Daten werden über Befragungen erhoben, die kurz vor der Entlassung sowie in Abständen von 6 Wochen, 3 Monaten und 6 Monaten danach durchgeführt werden.

📊

Die iCAN-Wirksamkeitsstudie im Überblick

Wissenschaftliche Begleitung eines zertifizierten Medizinprodukts
🏦
31
beteiligte Kliniken
💰
3,5 Mio.
Euro Förderung (G-BA)
📅
4 Jahre
Laufzeit ab Herbst 2023
📋 Befragungszeitpunkte der Teilnehmenden
0
Vor
Entlassung
6W
Nach
6 Wochen
3M
Nach
3 Monaten
6M
Nach
6 Monaten
✅ Teilnahme-Voraussetzungen
✓ Alter zwischen 13 und 25 Jahren
✓ Diagnostizierte Depression
✓ Behandlung bei einer Partnerklinik
✓ Versichert bei teilnehmender Kasse
Breites Netzwerk: Geleitet von der Universität Greifswald, mit Krankenkassen (AOK, BKK, TK), der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, der Bundespsychotherapeutenkammer sowie den Firmen 100 Worte und Mentalis. Die App ist kein frei verfügbarer Download, sondern ein zertifiziertes Medizinprodukt.

31 deutsche Kliniken beteiligen sich daran, ebenso gesetzliche Krankenkassen wie die AOK, BKK und TK, außerdem die Firmen 100 Worte und Mentalis. Auch die Stiftung Deutsche Depressionshilfe sowie die Bundespsychotherapeutenkammer nehmen teil. Um an der Studie teilnehmen zu können, muss man zwischen 13 und 25 Jahren alt, mit Depression diagnostiziert und in Behandlung bei einer der Partnerkliniken sein. Außerdem muss man bei einer der teilnehmenden Krankenkassen versichert sein und natürlich über ein Smartphone verfügen. Die App ist nicht frei herunterladbar, sondern wird als zertifiziertes Medizinprodukt eingestuft.

Depression erkennen und heilen

Depression ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, von der vor allem auch Jugendliche betroffen sind. Aktuell geht man von rund sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen aus, die daran erkrankt sind. Die Phase zwischen 13 und 25 ist dabei besonders kritisch, da es hormonelle Veränderungen gibt und sich auch sozial sowie biografisch viele Dinge ändern. Zusammen mit Schulabschlüssen, Auszügen und der Identitätsfindung führt das zu einer komplexen Situation, in der Menschen verletzlich sind und entsprechend anfällig für Depressionen werden. Stationäre Kriseninterventionen haben sich als sehr wirksam erwiesen, da Jugendlichen in einem geschützten Rahmen geholfen werden kann.

Depression erkennen und heilen

Es ist wichtig zu wissen, dass eine Depression nicht einfach nur eine vorübergehende Phase der Traurigkeit ist. Wer depressiv ist, befindet sich nicht einfach nur in einem Stimmungstief, sondern leidet unter einer Erkrankung, die sich auf das Denken, Fühlen und Handeln auswirkt. Die gute Nachricht ist aber, dass in den meisten Fällen eine medizinische Behandlung möglich ist. Man sollte auf jeden Fall professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Mit einer entsprechenden Therapie können Gedankenmuster identifiziert und aktiv umstrukturiert werden. Eine Therapie erfolgt Schrittweise, um positive Aktivitäten in den Alltag zu integrieren. Zudem gibt es auch Antidepressiva, die meist bei mittelschweren bis schweren Erkrankungen unerlässlich sind.

Hilfe bei Depression

Es ist nicht immer einfach zu erkennen, ob es sich um ein Stimmungstief handelt oder aber eine depressive Störung vorliegt. Im Zweifel sollte man daher zu einem Arzt gehen, wobei selbst der Hausarzt eine erste Anlaufstelle sein kann. Zu den drei Hauptsymptomen gehört eine gedrückte Stimmung, wobei sich diese in einer inneren Leere, anhaltender Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit ausdrückt. Auch Freudlosigkeit und Interessenverlust sind vorhanden, sodass man keine Lust mehr auf Aktivitäten, Hobbys oder Begegnungen mit Freunden hat. Antriebsmangel und eine gesteigerte Ermüdbarkeit sind weitere Faktoren, die dafür sprechen können. Wichtig ist, dass man auch im Zweifel nicht davor zurückschreckt, sich Hilfe zu holen.

Selbsttest, ärztliche Abklärung und erste Anlaufstellen

Eine erste Orientierung kann ein Selbsttest bieten. Auf der Seite der Stiftung Deutsche Depressionshilfe gibt es einen wissenschaftlich fundierten Selbsttest, der auf dem sogenannten WHO-5-Fragebogen basiert und kostenlos durchgeführt werden kann. Dieser Test ist ein erster Schritt, ersetzt aber auf keinen Fall die ärztliche Diagnose. Der Hausarzt dient als erste Brücke, zumal sich hier leicht ein Termin machen lässt. Zunächst kann Blut abgenommen werden, um organische Ursachen für die Erschöpfung ausschließen zu können. Sollte der Hausarzt den Verdacht einer Depression haben, kann er eine Überweisung zum Psychiater und Psychotherapeuten veranlassen. Unter der bundesweiten Telefonnummer 116 117 kann man innerhalb von vier Wochen ein Erstgespräch erhalten. Auch der sozialpsychiatrische Dienst kann eine Anlaufstelle sein.

Hilfe bei Depression

Wenn es akut wird und die Gedanken sehr dunkel werden, gibt es das Info-Telefon Depression, das unter 0800 / 33 44 533 angerufen werden kann. Auch die Telefonseelsorge, die 24 Stunden am Tag erreichbar ist, kann kostenlos unter 0800 / 111 0 111 angerufen werden. Psychiatrische Kliniken haben ebenfalls eine 24-Stunden-Ambulanz. Natürlich kann bei einem absoluten Notfall auch der Rettungsdienst unter 112 gerufen werden.

Grundsätzlich kann man auch im Alltag einige Dinge tun, um sich zu entlasten. Druck rauszunehmen, ist eine der wichtigsten Dinge. Das beginnt damit, dass man Depression nicht als Willensschwäche auslegt, sondern als eine Erkrankung, die behandelt werden muss. Strukturen im Alltag und mit vertrauten Personen sprechen, kann ebenfalls helfen.

Fazit zu iCAN-Programm

Fazit zu iCAN-Programm Das iCAN-Programm wurde ins Leben gerufen, um die kritische Versorgungslücke nach einer stationären Depressionsbehandlung von Jugendlichen zu schließen. Der Übergang in den Alltag nach einer mehrwöchigen Behandlung kann sehr schwerfallen. In Zukunft soll die iCAN-App zur Verfügung gestellt werden, um Jugendlichen etwas an die Hand zu geben, was im Alltag helfen kann.

Die App fragt Stimmungen ab und macht Vorschläge. Der Chatbot Quinn kann für kleinere Gespräche genutzt werden. Natürlich kann eine solche App nicht das Gespräch mit einem Fachmann ersetzen, aber es kann dennoch zum Teil eine Lücke schließen, die für viele zu einer echten Falle werden kann.

Miriam Falkner

Ich bin Redakteurin für Lifestyle, Haushalt, Familie und Alltagsthemen und mag das Unaufgeregte. Mich interessieren die Dinge, die bleiben, wenn man das Laute weglässt: wie wir wohnen, was wir essen, was uns bewegt. Kultur bedeutet für mich nicht Distanz, sondern Alltag mit Haltung. Nach meinem Studium der Medien- und Kulturwissenschaften in Potsdam habe ich direkt in der Redaktion begonnen, zuerst im Printbereich, später im Digitalen. Ich schreibe über das Echte, das oft übersehen wird, aber viel über unsere Zeit erzählt. Bei Die Mark Online widme ich mich diesen Themen, die nicht laut sein müssen, um Bedeutung zu haben. Mein Stil ist ehrlich, klar und aufmerksam für Details. Ich glaube daran, dass Texte auch ohne Effekte wirken, wenn sie nah am Leben sind.

"Das Echte findet man oft im Kleinen, nicht im Spektakulären." Miriam Falkner

Miriam Falkner