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Kunst

Kunst & Pädagogik: Kongress The Missing_LINK 2016 in Karlsruhe

Kulturelle Bildung ist ein ausgewiesenes Ziel, doch nicht immer ist klar, was damit genau gemeint ist. Die Problematik ergibt sich aus der Vermittlung, denn einerseits gibt es einen Bildungsauftrag, andererseits soll Kunst autonom verstanden werden. Zudem sind die Anforderungen an ein modernes Kunstverständnis gestiegen.

In Karlsruhe fand jetzt an der Pädagogischen Hochschule ein Kongress statt, der sich genau mit diesen Themen beschäftigt hat. “The Missing_LINK 2016 – Übergangsformen von Kunst und Pädagogik in der kulturellen Bildung” bot Künstlern, Wissenschaftlern und Kunstpädagogen die Gelegenheit, um sich mit der künstlerischen Bildung des Übergängigen zu beschäftigen. Den Rückblick auf die Konferenz gibt es in diesem Artikel.

Kongress zur künstlerischen Bildung des Übergängigen

Vielleicht erinnern sich noch einige an den Kunstunterricht, der zwischen klassischen Fächern wie Deutsch, Englisch und Mathematik stattgefunden hat. Meist ging es um das Malen von Bildern. Doch damit wird man einem wirklichen Kunstverständnis kaum gerecht. Künstlerische Bildung geht über die Vermittlung von Techniken und Faktenwissen hinaus. Sie umfasst auch eigenständige Gestaltungsprozesse, ästhetische Erfahrungen und die kritische Reflexion von Kunst und Gesellschaft. Entsprechend gibt es einen Spannungs- und Übergangsbereich zwischen künstlerischer Praxis und pädagogischer Vermittlung. Genau diese Lücke wurde auf dem Kongress “The Missing_LINK 2016” behandelt. Die Konferenz fand vom 15. bis zum 17. Juli 2016 am Institut für Kunst der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe statt.

Geleitet wurde die Konferenz von Professor Dr. Joachim Kettel vom Institut für Kunst. Kooperationen gab es mit dem Badischen Kunstverein, der IGBK, der Weltorganisation InSEA und dem Deutschen Künstlerbund. Zudem gab es eine Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Wer teilnehmen wollte, musste eine Teilnahmegebühr bezahlen, wobei Frühbucher im Vorteil waren. Die Gebühr umfasste Zugang zum dreitägigen Kongress mit Workshops und Vorträgen, außerdem den Erhalt des Tagungsbandes, der noch erscheinen wird. Außerdem gab es eine Vorstellung der Performance-Künstlerin Nezaket Ekici.

Kernanliegen und Herausforderungen

Wo professionelle Kunst und Pädagogik aufeinandertreffen, gibt es klassischerweise eine größere Lücke. Und genau diese will man schließen, indem es eine Förderung einer “künstlerischen Bildung des Übergängigen” gibt. Diese muss es sowohl an schulischen als auch außerschulischen Lernorten geben. Auf der Konferenz wurde in vielerlei Hinsicht klar, dass es vor allem um die Vermittlungskompetenz geht, deren Fokus auf dem methodisch-didaktischen Potenzial der künstlerischen Praxis liegen muss. Daher waren beim Kongress sowohl Künstler und Kunstpädagogen als auch Wissenschaftler anwesend. Langfristig will man berufs- und studienbegleitende Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen verankern.

Grundsätzlich muss aber auch die Frage gestellt werden, wie eigentlich das Spannungsverhältnis von Kunst und Pädagogik aufgelöst werden kann. Auf der einen Seite gibt es den Drang nach Freiheit und Ausprobieren, auf der anderen Seite feste Strukturen und Vorgaben. Noch dazu sind auch die Anforderungen an ein modernes Kunstverständnis durch Themen wie Diversität, Migration, Heteronormativität, Transkultur und Inklusion gestiegen. Entsprechend muss die pädagogische Kunstvermittlung eine gesunde Balance zwischen den Seiten finden. Es darf weder um eine “Meisterlehre” gehen noch um unreflektierte Instruktionen. Reflexive Ästhetik und die Erzeugung von Bedeutung müssen in den Fokus rücken.

The Missing_LINK 2016 Programm

Am Freitag gab es nach dem Check-In die Grußworte durch Klaus Peter Rippe, dem Rektor der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, außerdem von Annette Hollywood (Vorstandsmitglied der Internationalen Gesellschaft der Bildenden Künste, Berlin), Annebarbe Kau (Vorstandsmitglied des Deutschen Künstlerbundes, Berlin) und Carl-Peter Buschkühle (Präsident der International Society for Education through Art Europe). Es folgte die Einführung durch Joachim Kettel. An diesem Tag gab es mehrere Vorträge. Unter anderem “Das Sakrament der Zukunft ist Begegnung” von Shelley Sacks, “‘Der Plan bleibt spontan’ – Die Vermittlung von raumbasierten Künsten und ihre Folgen” von Stella Geppert und “A Dog in the Playground” von Henry Ward.

The Missing_LINK 2016 Programm

Der Freitagabend endete mit dem Empfang beim Badischen Kunstverein Karlsruhe und der Begrüßung durch Anja Casser. Am nächsten Tag gab es Vorträge, Podiumsdiskussionen und auch Workshops. Los ging es mit “Werkstätten im freien Feld” von Seraphina Lenz und “Pädagogische Weiterbildung von Kunstschaffenden: Eine Anregung zu Welt- und Selbstverständigungsprozessen über künstlerisch-ästhetische Bildung” von Joachim Ludwig. Spätere Vorträge waren “‘Aesth Paideia’ – Zwischen Kunst und Pädagogik” von Kußmaul und Widdascheck, “Künstlerische Vermittlung in offenen Settings der Jugendkulturarbeit” von Elke Josties und Kiwi Menrath sowie “Nein und Nichts” von Christina Griebel. Der Tag endete mit der Vorstellung von Künstlerin Nezaket Ekici.

Weitere Vorträge gab es am letzten Tag. Um 13:15 Uhr gab es das abschließende Fazit von Joachim Kettel. Davor gab es noch die Vorträge “(Kulturelle) Bildung frühe Kindheit: Phänomenologisch-theoretische Grundlegungen und ihre Perspektive auf eine ästhetisch-künstlerische Praxis in der frühen Kindheit” von Marion Kußmaul, “Performances als Grundlage für die Kunstvermittlung und Interaktion zwischen Publikum und Künstler” von Nezaket Ekici, “Creative Skills im Rahmen von künstlerischer Forschung in der kunstpädagogischen (Aus)Bildung” von Ruth Mateus-Berr, “Professionalisierung an der Schnittstelle zwischen Schule und kultureller Bildung” von Christian Kammler und “Dinge, Denkbilder und kluge Fragen” von Andrea Hubin und Karin Schneider.

Referenten der Konferenz

Referenten der Konferenz

Mehrere Referenten nahmen am Kongress teil. Dazu gehören unter anderem Christine Biehler (Bildende Künstlerin und Lehrerin an einem Gymnasium in Hanau), Christiane Brohl (Gastprofessorin für Kunstvermittlung an der Kunstakademie Münster), Anja Casser (Direktorin des Badischen Kunstvereins Karlsruhe), Marie Fulkova (Assoziierte Professorin für Kunstpädagogik und Leiterin der Abteilung Kunstpädagogik an der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Karls-Universität Prag), Teresa Bogerts (Lehrbeauftragte im Bereich Ästhetische Bildung an der Universität Koblenz-Landau), Carl-Peter Buschkühle (Professor für Kunst und ihre Didaktik an der Universität Gießen) und auch Joachim Kettel (Professor für Kunst und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe).

Fazit zum Kongress The Missing_LINK

Kunstpädagogik ist zwar oft als Fach an Schulen verankert, doch bei näherer Betrachtung Fazit sich Schwierigkeiten auf. Die ergeben sich aus dem Gegensatz von künstlerischer Freiheit und strengem Bildungsauftrag. Entsprechend gab es jetzt mit “The Missing_LINK 2016” in Karlsruhe eine Konferenz, die genau diese Problematik zum Thema gemacht hat. Das Ziel ist es, ein lebendiges Kunstverständnis zu vermitteln, weshalb sowohl Kunstpädagogen als auch Künstler gefragt sind. Es wurden viele Vorträge gehalten, die verschiedene Aspekte des Themas zum Inhalt hatten. Drei Tage dauerte die Konferenz, der an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe stattfand. In Zukunft wird noch ein Tagungsband erscheinen.

Karl-Heinz Merten

Ich bin Kolumnist und Autor für Finanzen, Wirtschaft, Wissen und schreibe mit Haltung, aber ohne Scheuklappen. Kolumnen sind für mich kein Ort für Parolen, sondern für Perspektiven mit Tiefe. Geschichte verstehe ich nicht als staubige Erinnerung, sondern als lebendigen Rahmen unserer Gegenwart. Politik interessiert mich dort, wo sie den Alltag der Menschen berührt. Mein journalistischer Weg begann in einer kleinen Lokalredaktion und führte mich über Stationen in Bonn und Hamburg schließlich nach Berlin. Nach dem Studium der Geschichte und Politikwissenschaft in Köln sowie einer Ausbildung beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk habe ich mich kontinuierlich weitergebildet, unter anderem in politischer Kommunikation, Medienethik und wirtschaftlichem Fachjournalismus. Besonders faszinieren mich die Schnittstellen von Politik, Wirtschaft und gesellschaftlicher Entwicklung. Ich schreibe nicht, um zu gefallen, sondern um Orientierung zu geben, gedruckt und digital. Bei Die Mark Online greife ich regelmäßig aktuelle Themen auf, die nach Einordnung verlangen.

"Journalismus heißt für mich: zuhören, verstehen, einordnen – nicht nachplappern." Karl-Heinz Merten

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