BDPM e. V.: Die Zukunft von Musik und Kultur gestalten
Rund die Hälfte aller Musikschüler in Deutschland lernt heute an einer freien oder privaten Musikschule. Andere nehmen im privaten Unterricht Stunden. Diese Hälfte hat seit 1997 eine gemeinsame Stimme. Der Bundesverband Deutscher Privatmusikschulen sitzt in Berlin und vertritt rund 350 Musikschulen und Musikinstitute. Dabei mischt er sich in Fragen ein, die von der Qualität des Unterrichts bis zur Verteilung öffentlicher Mittel reichen. Außerhalb der Branche kennt ihn kaum jemand. Seine Arbeit betrifft trotzdem Familien in jeder größeren Stadt.
Der Alltag freier Musikschulen unterscheidet sich deutlich vom kommunalen Betrieb. Sie finanzieren sich fast vollständig über Unterrichtsgebühren. Dazu tragen sie unternehmerisches Risiko. Bei der öffentlichen Förderung bleiben sie meist außen vor. Ein Dachverband bündelt in dieser Lage Erfahrungen, Rechtsberatung und politisches Gewicht. Eine einzelne Schule mit zwölf Lehrkräften könnte das niemals aufbringen. Genau darin liegt die Rolle, die der bdpm seit fast zwei Jahrzehnten ausfüllt. Dabei bleibt der Verband auf Beiträge seiner Mitglieder angewiesen.
Ein Dachverband für rund 350 Musikschulen
Der Verband entstand im März 1997 in Erfurt. Den heutigen Namen führt er seit September desselben Jahres. Die Bundesgeschäftsstelle lag zunächst in Göttingen. Dort baute der damalige Vorstand die Landesverbände auf. Inzwischen sitzt die Geschäftsstelle in Berlin. Seit 2004 gehört der bdpm dem Deutschen Musikrat an. Damit sitzt er an den Tischen, an denen die Kulturpolitik verhandelt wird. Die Arbeit vor Ort übernehmen Landesverbände in mehreren Bundesländern. Vor Ort kennen diese Verbände die Lage der Schulen am besten.
Nicht jede Schule bekommt die Mitgliedschaft. Nur Häuser mit den passenden Qualitätsstandards des Verbandes nimmt der bdpm auf. Dadurch wächst er über einen reinen Interessenverband hinaus. Er setzt Mindestanforderungen an Personal und Ausstattung durch. Eltern auf der Suche nach Unterricht hilft das sehr. Denn eine staatliche Zulassungspflicht gibt es in diesem Markt nicht. Vor der Aufnahme steht dabei eine Prüfung der Schule. Damit zählt die Mitgliederliste zu den wenigen verfügbaren Orientierungshilfen.
Das Gütesiegel und was dahintersteckt
Geprüfte Häuser dürfen sich Zertifizierte Musikschule im bdpm nennen. Hinter dem Siegel stehen klare Anforderungen. Sie betreffen die musikpädagogische Qualifikation der Lehrkräfte, die Ausstattung der Räume und die Organisation des Unterrichts. Ein solches Zertifikat macht die Qualität einer Ausbildung nach außen sichtbar. Sonst zeigt sie sich oft erst nach Monaten Unterricht. Eltern wissen dadurch früher, worauf sie sich verlassen können. Die Schulen selbst gewinnen durch die Prüfung Wissen über die eigene Weiterentwicklung.
Die Bedeutung dieses Nachweises wächst mit der Größe des Marktes. Musikunterricht darf in Deutschland grundsätzlich jeder erteilen. Eine geschützte Berufsbezeichnung für Instrumentallehrkräfte gibt es nämlich nicht. Ein Verbandssiegel ersetzt keine staatliche Aufsicht, schließt aber eine spürbare Lücke. Denn zwischen Hochschulabschluss und freiem Anbieter fehlt sonst jede Einordnung. Kommunen und Länder finden dadurch außerdem einen festen Ansprechpartner für die Zusammenarbeit. Insgesamt schafft das Siegel damit Vergleichbarkeit in einem unübersichtlichen Markt. Für Eltern zählt am Ende die Qualität im Unterrichtsraum.
Der Streit um die Förderung der Musikschüler
Für die größte politische Auseinandersetzung sorgt derzeit ein Rechtsgutachten. Der Mainzer Staatsrechtler Josef Ruthig hat es im März vorgelegt. Es prüft die Förderpraxis für Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Bislang fließen kommunale Mittel und Landesmittel fast nur an kommunale Musikschulen. Schüler an zertifizierten freien Häusern gehen dagegen leer aus. Ihnen bleiben nur die geringen Bildungs- und Teilhabegutscheine. Die Förderpraxis in Rheinland-Pfalz gleicht dabei der in anderen Bundesländern. Damit trifft die Lücke ausgerechnet jene Familien, die Unterstützung am nötigsten brauchen.

Die Kernaussagen des Gutachtens fallen deutlich aus. Die derzeitige Ausgestaltung sei gleichheitswidrig und intransparent. Teilhabegerechtigkeit erzeuge sie nicht. Im Ergebnis ziele sie auf den Erhalt eines kommunalen Systems. Bedürftige oder begabte Schüler fördere sie damit gerade nicht. Auch an der europarechtlichen Haltbarkeit äußert das Gutachten Zweifel. Die Landesmusikräte diskutieren die Frage seither. Der Vorstand des bdpm sucht dazu das Gespräch mit Abgeordneten in Land und Bund. Bis zu einer politischen Entscheidung dürfte allerdings noch Zeit vergehen.
Akademie, Kongress und die Arbeit im Alltag
Neben der politischen Bühne läuft die weniger sichtbare Arbeit weiter. Die Akademie des Verbandes veröffentlicht jedes Jahr ein Programm mit Workshops und Seminaren. Es richtet sich an Schulleitungen und an unterrichtende Pädagogen. Themen wie Vertragsrecht, Personalführung und Unterrichtsmethodik tauchen in keinem Musikstudium in dieser Form auf. Im Betrieb einer Schule entscheiden sie trotzdem über Erfolg oder Aufgabe. Schulleitungen finden dort außerdem Antworten auf Fragen aus dem Tagesgeschäft. Dazu kommt Beratung in Rechts- und Organisationsfragen.
Einmal im Jahr trifft sich die Branche außerdem zum Kongress. Den elften Durchgang richtete der Verband im März gemeinsam mit dem Europäischen Keyboard- und Orgellehrer-Verband aus. Ort war das Congress Centrum Hannover, als Thema wählten die Veranstalter „Musikschule 2020“. Ein Blick auf die eigene Zukunft fällt in einer Branche mit sinkenden Schülerzahlen schwer. Genau solche Aufgaben kann ein Verband abnehmen. Vorträge und Diskussionen richteten sich dabei an Leitungen und Lehrkräfte gleichermaßen.
Wettbewerbe, Feste und ein Aktionstag im Juni
Für Schüler wird der Verband vor allem über seine Veranstaltungen sichtbar. Der Wettbewerb „Keys ’n Bands on stage“ lief in diesem Jahr als einstufige Präsenzveranstaltung. Die Organisatoren hatten die geplante Form mit Online-Qualifikation zuvor abgesagt. Ein Auftritt vor Publikum und Jury wirkt auf junge Musiker anders als jede Unterrichtsstunde. Daher rechtfertigt sich der Aufwand solcher Formate. Dazu kommen Bundesjugendmusikfeste, zuletzt im Oktober in Göttingen, sowie Konzerte der Landesverbände. Viele Schüler stehen dort zum ersten Mal auf einer echten Bühne.

Für den 18. Juni steht der nächste größere Termin im Kalender. Gemeinsam mit dem Branchenverband SOMM und dem Gesamtverband Deutscher Musikfachgeschäfte rief der bdpm die Initiative „Deutschland macht Musik, spiel mit!“ ins Leben. Ihr erster bundesweiter Aktionstag findet in diesem Sommer statt. Ziel ist der Erstkontakt zum Instrument. Damit meinen die Partner genau jenen Moment, in dem aus Interesse eine Anmeldung wird. Musikschulen, Fachgeschäfte und Hersteller ziehen dabei erstmals in dieser Breite an einem Strang.
Fazit zum bdpm e. V.
