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Gesundheit

Resilienz gegen psychische Probleme: Neurologische neue Wege

Es ist ein Paradoxon der Moderne, dass noch nie so viel gegen psychische Erkrankungen unternommen wurde und gleichzeitig die Zahlen neuer Erkrankungen kontinuierlich ansteigen. Daher ist die Frage berechtigt, wo hier der Fehler steckt? Heute wissen wir sehr viel über das Gehirn und die Psyche und trotzdem schaffen es Gesellschaften nicht, die psychischen Probleme zu minimieren. Aus der Perspektive der Forschung hat sich daher in den letzten Jahren der Fokus verschoben.

Die Pathophysiologie, die auf Ursachensuche geht, weicht dabei immer mehr der Erforschung der Schutzmechanismen des Gehirns. Dazu gab es unter anderem auch einen Sonderforschungsbereich, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurde und sich mit der “Neurobiologie der Resilienz gegenüber stressinduzierter psychischer Dysfunktion” beschäftigt hat. Die Ergebnisse der Forschung zeigen interessante neue Ansätze, die auch für den Alltag von Bedeutung sein können. In diesem Artikel gibt es weitere Informationen zu diesem Thema.

Psychische Gesundheit ist kein passiver Zustand

Das Paradoxon der Psychiatrie dürfte jeder schon einmal auf die eine oder andere Weise wahrgenommen haben. Das Wissen und die Akzeptanz von psychischen Problemen ist heute so hoch wie nie zuvor, gleichzeitig steigen aber die psychischen Erkrankungen. Psychotherapie und Antidepressive scheinen in der Wirkung zu stagnieren und stressbedingte Störungen erreichen mit jedem Jahr neue Höhen.

Genau deshalb gehen einige Neurowissenschaftler und Psychologen davon aus, dass die Ursachenforschung alleine nicht mehr ausreichend ist. Das hängt mit einem grundlegenden Verständnis darüber zusammen, wie die Psyche betrachtet wird. Und die Kernthese der Wissenschaftler lautet: Psychische Gesundheit ist kein passiver Zustand, sondern das Ergebnis eines neurobiologischen aktiven Anpassungsprozesses, der allgemein als Resilienz bezeichnet wird.

Resilienz als dynamischer Prozess

Resilienz als dynamischer Prozess Demnach ist psychische Gesundheit nicht einfach nur das Fehlen psychischer Krankheiten, sondern das Resultat eines Anpassungsprozesses. Resilienz ist dann auch kein angeborener Schutzschild, den manche Menschen besitzen und andere nicht. Grundsätzlich gilt: Das Gehirn kann lernen, wenn es mit Stressoren konfrontiert wird. Um Stress zu bewältigen, muss eine Anpassung geschehen. Ein wichtiges Stichwort ist in dieser Hinsicht “Epigenetische Plastizität”. Das bedeutet, dass Ereignisse das Gehirn verändern und das bis hinein in die Gene, ohne dabei allerdings den eigentlichen Gencode zu verändern. Vereinfacht gesagt, bedeutet es, dass Stress zum Umschalten chemischer Schalter führt und somit bestimmte Gene an- und ausgeschaltet werden. Resilienz bedeutet, dass diese Schalter sinnvoller agieren und entsprechend Hormone anders reguliert werden.

So lernt das Gehirn, Angst zu überwinden

Doch wie helfen diese Erkenntnisse dabei, tatsächliche psychische Probleme in den Griff zu bekommen? Wer etwas Schlimmes erlebt hat, speichert daraufhin eine starke Angst im Gehirn, die als Trauma erkannt wird. Um gesund zu bleiben, muss diese Angst verlernt werden. Dabei wird die Angst aber nicht gelöscht, sondern überschrieben. Es wird vielmehr eine neue, schützende Erinnerung aufgebaut, die zukünftig in Erscheinung tritt und Sicherheit bietet. Das kann aber ein sehr schwieriger Prozess sein, da oft die Angst mit einer bestimmten Umgebung gekoppelt ist und entsprechend schnell ausgelöst werden kann. Wichtig ist daher, dass eine neue positive Erinnerung mit Dopamin aufgebaut wird. Dieser Botenstoff, der als Glückshormon bekannt ist, wirkt wie ein Kleber, sodass auch die Trauma auslösende Umgebung ihre Wirkung verliert.

So lernt das Gehirn, Angst zu überwinden

Tatsächlich gibt es aber noch einen weiteren wichtigen Punkt, denn die neue Erinnerung ist nur die halbe Miete. Die wirkliche Arbeit beginnt im Gehirn, wenn man sich ausruht oder schläft. Erinnerungen werden im Gehirn wiederholt, sodass sie sich festigen können. Es wirkt wie ein Training, das vom Körper ganz automatisch ausgeführt wird. Aber eben nur dann, wenn genügend Ruhephasen eingehalten werden. Ein wichtiger Schritt bei Stress bedeutet daher, sich bewusst Auszeiten zu nehmen. Das fällt gerade zu Anfang schwer, wenn große Angst vorhanden ist, doch es führt kein Weg daran vorbei. Eine gesunde Schlafhygiene ist immer eine wichtige Grundlage psychischer Gesundheit.

Forschung und klinische Praxis

Forschung und klinische Praxis Die Forschung hat in den letzten Jahren immer wieder neue Fortschritte gemacht. Unter anderem durch den Sonderforschungsbereich 1193, der sich mit der “Neurobiologie der Resilienz gegenüber stressinduzierter psychischer Dysfunktion” beschäftigt hat. Daher richtet sich der Blick immer weiter darauf, Menschen zu schützen, bevor sie psychisch erkranken. Die Prävention besteht darin, gezielt Resilienz aufzubauen. Das kann auch durch gezieltes Training geschehen. Beispielsweise durch positive Erlebnisse, die kurz vor dem Schlafen gemacht werden. Auf diese Weise kann man auf natürliche Art seinen Resilienz-Schutzschild aufbauen. Zudem sollte man stressige Momente auch immer als eine Chance wahrnehmen, an diesen Situationen wachsen zu können.

Fazit zur Resilienz gegen psychische Probleme

Fazit zur Resilienz gegen psychische Probleme Die moderne Forschung bricht mit dem alten Krankheitsmodell und zeigt, dass eine psychische Gesundheit kein passiver Zustand ist und mehr als ein Muskel verstanden werden kann. Das bedeutet, dass Resilienz nicht einfach ein natürliches Talent ist, sondern trainiert werden kann. Und das geschieht in stressigen Situationen, in denen das Gehirn sich anpassen muss. Demnach können psychische Probleme nicht nur mit Blick auf die Ursachen gelöst werden, sondern durch eine gezielte Stärkung der eigenen Resilienz. Traumatische Erinnerungen können dabei nicht gelöscht, sondern nur durch positive neue Erinnerungen überschrieben werden. Zudem sind Ruhephasen wichtig, in denen das Gehirn diese neuen Eindrücke wiederholen und somit festigen kann.

Miriam Falkner

Ich bin Redakteurin für Lifestyle, Haushalt, Familie und Alltagsthemen und mag das Unaufgeregte. Mich interessieren die Dinge, die bleiben, wenn man das Laute weglässt: wie wir wohnen, was wir essen, was uns bewegt. Kultur bedeutet für mich nicht Distanz, sondern Alltag mit Haltung. Nach meinem Studium der Medien- und Kulturwissenschaften in Potsdam habe ich direkt in der Redaktion begonnen, zuerst im Printbereich, später im Digitalen. Ich schreibe über das Echte, das oft übersehen wird, aber viel über unsere Zeit erzählt. Bei Die Mark Online widme ich mich diesen Themen, die nicht laut sein müssen, um Bedeutung zu haben. Mein Stil ist ehrlich, klar und aufmerksam für Details. Ich glaube daran, dass Texte auch ohne Effekte wirken, wenn sie nah am Leben sind.

"Das Echte findet man oft im Kleinen, nicht im Spektakulären." Miriam Falkner

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