Mobilität 4.0 beim 8. ÖPNV Innovationskongress 2017 in Freiburg
Seit Jahren wird von der Verkehrswende gesprochen, doch nach wie vor sind viele Fragen offen. Daher trafen sich jetzt in Freiburg über 500 Experten aus unterschiedlichen Bereichen, um über den öffentlichen Nahverkehr zu sprechen. Thema der diesjährigen Konferenz war “Mobilität 4.0”. Die Idee dahinter betrifft die Digitalisierung des öffentlichen Nahverkehrs, wozu auch autonome Systeme gehören und sich Fragen zu ökologischen Infrastrukturen auftun.
Das System der Zukunft könnte dafür sorgen, dass die Grenzen zwischen individuellem und öffentlichem Verkehr immer stärker verschwimmen. Gerade Städte und Verkehrsbetriebe geraten in Drucksituationen, um entsprechende Lösungen anzubieten. Wie das aussehen kann, wurde jetzt auf dem 8. ÖPNV Innovationskongress besprochen. Mehr Infos dazu in diesem Artikel.
Der ÖPNV im digitalen Wandel
Für den 8. Innovationskongress zum Öffentlichen Personennahverkehr ging es in diesem Jahr nach Baden-Württemberg. Im Konzerthaus Freiburg kamen rund 500 Experten aus Wissenschaft, Technik, Praxis und Politik zusammen. Gesprochen wurde zum Leitthema “Mobilität 4.0”, was Digitalisierung und Nahverkehr auf einen Nenner bringen sollte.
Die Herausforderungen für die Zukunft liegen darin, genau diese Richtungen in Einklang zu bringen, um Menschen eine gute Infrastruktur zu bieten, gleichzeitig aber auch ökologische Ziele zu erreichen. Eröffnet wurde die Konferenz von Winfried Hermann, Verkehrsminister von Baden-Württemberg. In seiner Eröffnungsrede unterstrich er seinen Anspruch, neue Technologien als Schlüssel für die Verkehrswende zu betrachten.
Innovationspreis 2017
Es müssen Lösungen gefunden werden, damit Menschen auf ihren Pkw verzichten. Doch es ist noch ein langer Weg. Umso wichtiger war der Innovationskongress, auf dem in diesem Jahr der ÖPNV-Innovationspreis 2017 vergeben wurde. Insgesamt vier vorbildliche Projekte wurden ausgezeichnet. Der Preis ist mit insgesamt 18.000 Euro dotiert.

Wie Kundennutzen durch Digitalisierung gehen kann, hat die Südwestdeutsche Landesverkehrs-GmbH gezeigt, die ihre Busse und Bahnen flächendeckend mit kostenlosem WLAN ausgestattet hat, um so den Reisekomfort der Gäste spürbar zu erhöhen. Das Rottenburger Busunternehmen Omnibus Groß hat ein Fahrgastinformationssystem entwickelt, über das auch Störungsmeldungen per WhatsApp geschickt werden können. Es gibt einen interaktiven Plan und eine Live-Auslastungsanzeige per Balkendiagramm, die direkt auf dem Smartphone gesehen werden kann. Gerade Menschen mit mobiler Einschränkung, Familien und Radfahrer können damit wesentlich verlässlicher ihre Reisen planen.
In Esslingen wurde der Stadtverkehr dadurch verbessert, dass drei spezielle Elektro-Hybridbusse zum Einsatz kommen. Die grundsätzlichen Oberleitungsbusse können flexibel auch bis zu 15 Kilometer rein batteriebetrieben fahren. Im Jahr kann das pro Bus rund 74.000 Liter Diesel sparen, was einer Reduzierung von ungefähr 79 Tonnen CO2 entspricht. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG hat dagegen das Konzept “Lebensraum Stuttgarter Gleise” ins Leben gerufen. Damit wurden pflegeleichte und artenreiche Magerwiesen auf dem Gleiskörper gepflanzt. Dadurch werden wertvolle Biotopverbindungen für Insekten und Kleintiere im verdichteten Stadtraum geschaffen. Das erhöht zudem die Akzeptanz für den weiteren Bau von Gleisen.
Das Programm des Kongresses
Vom 14. bis zum 16. März gab es ein volles Programm, das wissenschaftliche Zukunftsforschung mit praktischen Erfahrungsberichten aus dem In- und Ausland verbunden hat. Von Mobilitätsforscher Professor Stefan Rammler vom Institut für Transportation Design der HBK Braunschweig wurde ein Vortrag zum Thema “digitale Mobilitätsrevolution” gehalten. Rammler sprach darüber, dass eine Reorganisation urbaner Mobilität dafür sorgen kann, dass der öffentliche Verkehr künftig individueller funktionieren könnte. Beispielsweise durch On-Demand-Angebote. Gleichzeitig könnten Sharing-Konzepte kollektiver verstanden werden. Solche Ideen könnten in Städten maßgeblich zu einer gelungenen Verkehrswende beitragen.
Zum Abschluss der Konferenz stellte Daniel Landolf von PostAuto Schweiz das Projekt “SmartShuttle” aus Sion (Wallis) vor. Das Unternehmen hat gemeinsam mit der Stadt im Sommer des letzten Jahres autonom fahrende Busse auf öffentlichen Straßen getestet. Es war ein weltweites Pionierprojekt und hat bis dahin schon 25.000 Fahrgäste transportiert. Darüber hinaus gab es beim Kongress auch eine Fachausstellung. Im Foyer des Konzerthauses waren IT-Spezialisten, Verkehrsplaner, Systemanbieter und Verlage vor Ort, um ihre neuesten Produkte und Dienstleistungen vorzustellen und zu bewerben. Damit hat sich gezeigt, dass es in diesen Tagen tatsächlich um Innovationen geht.
Freiburg und das Konzerthaus
Freiburg als Austragungsort für den diesjährigen ÖPNV-Innovationskongress ist kein Zufall, da die Stadt schon lange international als Modellstadt für nachhaltige Stadtentwicklung und Umweltmobilität gilt. Das Kongresszentrum Konzerthaus Freiburg bot genau die richtigen Voraussetzungen für diese Konferenz. Es liegt direkt am Hauptbahnhof der Stadt, sodass die Kongressteilnehmer perfekt mit dem Fern- und Regionalverkehr anreisen konnten. Das lichtdurchflutete Foyer eignete sich dann auch perfekt für die Fachausstellung. Zudem gibt es hier eine moderne Saaltechnik für Plenarsitzungen und viele Räumlichkeiten, sodass bis zu 20 Sessions parallel laufen konnten.

Für die Teilnehmer der Konferenz war Freiburg natürlich ein sehr gelungener Besuchsort. Freiburg im Breisgau hat eine der schönsten Altstädte in Deutschland. Hier treffen historischer Charme und ein entspanntes Lebensgefühl aufeinander. Noch dazu ist Freiburg eine sehr grüne Stadt. Ein Besuch lohnt sich also immer. Zu sehen gibt es unter anderem den Freiburger Münster, der als Wahrzeichen der Stadt gilt. Direkt daneben befindet sich der Münstermarkt. Die mittelalterlichen Gassen und Stadttore laden zum Spazieren ein. Dabei wird man auch immer wieder über die Freiburger Bächle stolpern, die sich durch viele Gassen der Altstadt ziehen. Auch der Schlossberg lohnt einen Aufstieg. Natürlich bietet die Region auch wunderbare gastronomische Erfahrungen, wozu letztendlich auch badischer Wein gehört.
Fazit zu Mobilität 4.0

Im Konzerthaus Freiburg trafen sich mehr als 500 Experten und sprachen zu den verschiedenen Konzepten und Ideen. Zudem wurden auch interessante Konzepte mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Freiburg hat sich dabei als idealer Standort für die Konferenz gezeigt, da die Stadt schon lange mit guten Verkehrskonzepten punkten kann.