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Wie viel Rente reicht? So berechnen Sie Ihren Bedarf im Alter

Die gesetzliche Rente galt lange als verlässliches Fundament für den Ruhestand. Inzwischen ersetzt sie nur noch rund 48 Prozent des durchschnittlichen Bruttolohns. Millionen Erwerbstätige erhalten später eine Rente unter ihrem letzten Nettoeinkommen. Zwischen gewohntem Lebensstandard und tatsächlicher Auszahlung klafft folglich eine spürbare Versorgungslücke.

Diese Differenz nennen Finanzexperten die Rentenlücke. Ihre Höhe hängt vom Einkommen, den Beitragsjahren und den persönlichen Ansprüchen ab. Eine frühzeitige Berechnung schafft Orientierung und steuert den eigenen Vermögensaufbau. Mit drei klaren Schritten lässt sich die Lücke realistisch ermitteln.

Rentenlücke: Was heißt das?

Die Rentenlücke bezeichnet die monatliche Differenz zwischen Bedarf und tatsächlichen Renteneinkünften. Rechnerisch gilt eine simple Formel: Bedarf minus Nettorente zuzüglich weiterer Einkünfte. In dieser Rechnung fließen betriebliche und private Rentenbausteine ein. Das Ergebnis zeigt den monatlich fehlenden Betrag für den Lebensstandard.

Das sinkende Rentenniveau verstärkt diese Lücke bei vielen Versicherten. Im Jahr 2002 lag der Wert noch bei rund 53 Prozent. Heute beträgt er etwa 48 Prozent, bis 2040 drohen weitere Rückgänge. Parallel steigt die Regelaltersgrenze schrittweise auf 67 Jahre an. Für jüngere Jahrgänge wächst damit der eigene Vorsorgedruck erheblich.

Ermittlung des realistischen Bedarfs

Am Anfang jeder Kalkulation steht der tatsächliche Bedarf im Alter. Finanzexperten rechnen häufig mit 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Bestimmte Kosten entfallen im Ruhestand, etwa Fahrtkosten oder Berufskleidung. Andere Posten steigen sogar, wie Ausgaben für Gesundheit, Pflege und Freizeit. Bei 3.000 Euro netto liegt der kalkulierte Bedarf bei 2.400 Euro monatlich.

Die individuelle Lebensplanung beeinflusst diesen Wert spürbar. Reisen, Hobbys oder ein Immobilienwechsel verschieben den Bedarf deutlich. Menschen mit hoher Mietbelastung sollten einen Puffer für steigende Wohnkosten einplanen. Eigenheimbesitzer ohne Kreditlast kalkulieren oft mit einem geringeren Bedarf. Je konkreter die Vorstellungen, desto präziser fällt die Berechnung aus.

Voraussichtliche Nettorente aus der Renteninformation ableiten

Die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung bildet die Grundlage. Versicherte erhalten sie automatisch ab dem 27. Lebensjahr nach fünf Beitragsjahren. Ein Detail bleibt dabei häufig übersehen: Die Zahlen sind Bruttowerte. Für die echte Rentenlücke zählt jedoch nur der Nettobetrag. Die Rentenversicherung weist zusätzlich zwei Prognosen mit ein und zwei Prozent Steigerung aus.

Voraussichtliche Nettorente aus der Renteninformation ableiten

Von der Bruttorente gehen 8,75 Prozent für die Krankenversicherung ab. Hinzu kommen 4,2 Prozent für die Pflegeversicherung. Ebenso fällt Einkommensteuer an, denn 2026 sind 86 Prozent der Rente steuerpflichtig. Ab 2040 greift die volle Besteuerung. Als Faustformel empfehlen Fachleute 15 bis 20 Prozent Abzug vom Bruttowert.

Schritt 3: Lücke ermitteln und Kapitalbedarf bestimmen

Nun folgt die eigentliche Berechnung. Die Formel lautet: monatlicher Bedarf minus Nettorente ergibt die persönliche Rentenlücke. Ein Beispiel verdeutlicht das Prinzip sehr anschaulich. Bei 2.400 Euro Bedarf und 1.400 Euro Nettorente beträgt die Lücke monatlich 1.000 Euro. Hochgerechnet auf ein Jahr fehlen dem Haushalt 12.000 Euro.

Aus der monatlichen Lücke lässt sich der benötigte Kapitalstock ableiten. Die 4-Prozent-Regel geht von einer jährlichen Entnahme in dieser Höhe aus. Bei 12.000 Euro Jahresbedarf ergibt sich ein Kapitalbedarf von 300.000 Euro. Vorsichtigere Anleger rechnen mit 3 oder 3,5 Prozent Entnahme. Damit steigt der erforderliche Kapitalstock auf 340.000 bis 400.000 Euro.

Inflation und Kaufkraft in die Planung einbeziehen

Eine seriöse Rentenplanung berücksichtigt stets die Inflation. Bei 2 Prozent Teuerung verliert Geld über 30 Jahre rund 45 Prozent Kaufkraft. Aus heutigen 1.000 Euro werden in drei Jahrzehnten nur 550 Euro Kaufkraft. Dieser Effekt trifft vor allem jüngere Sparer mit langem Anlagehorizont. Ein ignorierter Inflationsfaktor führt zu dramatisch unterschätztem Realbedarf.

Inflation und Kaufkraft in die Planung einbeziehen

Bei der Renditeannahme hilft ein Blick auf historische Werte. Breit gestreute Aktien-ETFs wie der MSCI World erzielten langfristig 7 bis 8 Prozent. Abzüglich Geldentwertung bleiben 4 bis 6 Prozent reale Rendite übrig. Konservative Planer rechnen in der Sparphase mit 5 bis 6 Prozent nominal. In der Entnahmephase bleiben 3 bis 4 Prozent realistisch.

Wege zum Schließen der Rentenlücke

Mehrere Bausteine kommen für den Aufbau privater Altersvorsorge infrage. Besonders beliebt bleibt der monatliche ETF-Sparplan auf breit gestreute Indizes. Die betriebliche Altersvorsorge bietet Steuervorteile und oft einen Arbeitgeberzuschuss. Die Basisrente nach Rürup erlaubt 2026 einen Sonderausgabenabzug bis 30.826 Euro. Verheiratete verdoppeln diesen Höchstbetrag auf 61.652 Euro pro Jahr.

Seit Januar 2026 ergänzt die Aktivrente das Angebot. Rentner dürfen bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Für 2027 plant die Bundesregierung ein gefördertes Altersvorsorgedepot ohne Garantiepflicht. Dieses Modell könnte die klassische Riester-Rente mittelfristig ablösen. Die Kombination aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Säule bleibt der bewährte Weg.

Fazit: Altersvorsorge selbst berechnen

Fazit: Altersvorsorge selbst berechnen Die eigene Rentenlücke ermittelt man in einer klaren Logik. Zunächst den Bedarf bestimmen, dann die Nettorente ableiten und die Differenz errechnen. Eine Lücke von 1.000 Euro entspricht bei 4 Prozent Entnahme rund 300.000 Euro Kapital. Inflation, realistische Renditen und die Rentenbesteuerung gehören fest in jede Hochrechnung. ETF-Sparplan, betriebliche Altersvorsorge, Rürup und das Altersvorsorgedepot stehen als Werkzeuge bereit. Eine frühe Berechnung verschafft Zeit, und Zeit bleibt der wertvollste Vorsorgefaktor überhaupt.

Maria Lengemann

Ich bin Redakteurin für Gaming, Gesundheit, Psychologie, Serien und Finanzen und schreibe über Themen, die meinen Alltag prägen. Gaming hat mich in den Journalismus geführt, geblieben sind die Leidenschaft, Neugier und der Blick fürs Detail. Gesundheit und Psychologie interessieren mich beruflich wie privat, weil sie zeigen, wie facettenreich der Mensch denkt und handelt. Ich bin gebürtige Neubrandenburgerin, lebe heute mit meiner Familie in Bayern und veröffentliche seit 2023 Thriller im Selfpublishing. Neben meiner Tätigkeit als Inhaberin einer Content-Marketing-Agentur schreibe ich bei Die Mark Online über mentale Gesundheit, Ernährung, Reisen & Urlaub und digitale Trends. Ich liebe Substanz statt Schlagworte, Serien mit Tiefe und Bücher mit Tempo. Schreiben ist für mich nicht nur Beruf, sondern Ausdruck von Haltung und Klarheit.

Manchmal braucht es nur einen Satz, um etwas in Bewegung zu setzen. Maria Lengemann